LöNINGEN/OSNABRüCK - Welcher Sportler kennt das nicht? Da bereitet man sich wochen- beziehungsweise monatelang gezielt auf ein Großereignis vor, erarbeitet sich die Form seines Lebens und am Tag des großen Wettkampfes klappt nichts, aber auch wirklich gar nichts.

Fredrik Branscheidt kann davon ein Lied singen. Als am Sonntag die deutsche Elite um Charles Friedek, Konstantin Gens und Andreas Pohle in Ulm um den Titel im Dreisprung kämpfte, fehlte der Löninger, der für den Osnabrücker TB startet. Sein großes Ziel, die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft hatte er verpasst. Und das ärgert ihn.

Man kann ihn verstehen. Seine Bestweite beträgt 14,35 Meter. Die sprang er in diesem Jahr beim Pfingstsportfest in Zeven. Damit egalisierte er zugleich den Vereinsrekord des Osnabrücker TB. Das macht ihn stolz, klar. Aber so richtig freuen kann er sich nicht. Als es zwei Wochen später in Wilhelmshaven um die Landesmeisterschaft ging, war für ihn bei 14,04 Metern Schluss. Wie so oft hatte er im entscheidenden Moment verkrampft.

Schon am Tag vor einem großen Wettkampf sei er meist so angespannt, dass er Schlafprobleme bekomme und deshalb sein Können nicht abrufen könne, erzählt er. „Vielleicht sollte ich abends vorher einfach mal ausgehen, um den Kopf freizubekommen“, rätselt Branscheidt.

Auf der Suche nach einer Lösung für sein Problem hat er jetzt in Zusammenarbeit mit dem Löninger Diplom-Mediziner Michael Utesch einen neuen Weg eingeschlagen. Er versucht, seine Nervosität mit Hypnose in den Griff zu kriegen. In der vergangenen Woche hatte er den ersten Termin „Das war okay. Ich hoffe, dass ich das jetzt auch alles umsetzen kann“, sagt Branscheidt. Allerdings ist ihm klar, dass alles seine Zeit braucht. Er müsse geduldig bleiben und dürfe nicht verzweifeln, sagt er.

Von seinen Zielen rückt er aber kein Stück ab. „Ich will 14,50 Meter und weiter springen“, sagt er. Er spürt einfach, dass er diese Weiten in den Beinen hat. Sein Coach Erik Spielenburg und sein Vater Roger, mit dem er ebenfalls häufig trainiert, teilten diese Meinung. „Sie sagen, dass das locker drinsitzt.“

Branscheidt ist jetzt 26 Jahre alt, also – wie man so schön sagt – im besten Alter für einen Sportler. „Aber das Alter spielt gar keine so große Rolle“, sagt er, lacht und verweist auf den ehemaligen Weltmeister Charles Friedek, der in Ulm mit 37 Jahren noch Dritter wurde.

Technisch sei er ganz gut ausgereift, glaubt er. „Meine Anlaufgeschwindigkeit kann ich noch verbessern. Außerdem muss ich die Flugphase verlängern.“ Daran feilt er täglich 90 bis 120 Minuten. Die Trainingszeiten richten sich dabei ganz nach seinem Job: Als Physiotherapeut hat er Früh- und Spätschicht. Am Wochenende trainiert er auch noch häufig auf der Anlage seines Heimatvereins VfL Löningen.

Schon am 18. und 19. Juli folgt die nächste Bewährungsprobe: die Norddeutsche Meisterschaft in Lübeck. Eigentlich dürfte es für Branscheidt diesmal keinen Grund geben, nervös zu sein. Im Normalfall müsste er ja hinter seinen eigenen Erwartungen zurückbleiben.