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NWZonline.de Sport

Phil Taylor feiert fast perfekten Abschied

03.01.2018

London Für einen Moment sah es so aus, als hätte Phil „The Power“ Taylor es doch noch einmal allen gezeigt. Selig wiegte die Darts-Legende den WM-Pokal in seinem rechten Arm. Dann aber gab der Engländer der mächtigen Silbertrophäe, die er häufiger als jeder andere gewonnen hat, einen letzten Kuss – und reichte sie mit anerkennendem Nicken seinem Bezwinger Rob Cross zurück.

Der gelernte Elektriker Cross, der „Taylors Karriere die Power abdrehte“ („The Sun“), bewies in seiner größten Stunde das perfekte Gespür für die große Geste. Trotz seines 7:2-Triumphs im WM-Finale im Londoner „Ally Pally“ überließ der eiskalte Newcomer dem Großmeister des Pfeilespiels ein letztes Mal das Scheinwerferlicht – und erntete im Gegenzug die Anerkennung Taylors.

„Er war fantastisch. Er war wie ich vor 30 Jahren, und ich konnte einfach nicht mithalten“, schwärmte der 57-Jährige und erteilte dem 27-jährigen Cross den Ritterschlag: „Er erinnert mich an mich. Er opfert sich für diesen Sport. Die Konkurrenz wird mit ihm ein großes Problem haben.“

Für den Dartssport wird Taylor, dessen fast 30-jährige Karriere mit 16 WM-Titeln am Neujahrsabend nur fast ein perfektes Ende fand, dennoch eine Legende bleiben. In seiner Karriere hat der sich nicht nur stets den Veränderungen des Sports angepasst, sondern ihn aktiv mitgestaltet. Jetzt könnte Finalgegner Cross in seine Fußstapfen treten.

Es wäre zu früh, um von einer Wachablösung zu sprechen, doch zwischen Cross und Taylor sind deutliche Parallelen zu erkennen. Noch als Amateur spielte Cross im März 2016 sein erstes PDC-Turnier, seitdem geht es steil bergauf. Auch Taylor kam 1990 als unbeschriebenes Blatt zur WM und läutete mit einem vernichtenden 6:1-Sieg über seinen damaligen Mentor Eric Bristow eine neue Ära ein – die Ära von „The Power“ Taylor. Der neue Weltmeister Cross wurde 1990 geboren.

„Als ich ein kleiner Junge war, habe ich Phil im Fernsehen gesehen und jetzt habe ich ihn im WM-Finale besiegt“, sagte Cross ungläubig.

83 Major-Titel, über einhundert gewonnene Turniere vor TV-Kameras. Umgerechnet rund 8,1 Millionen Euro Preisgeld hat Multimillionär Taylor verdient. Der Verband PDC adelte ihn unmittelbar nach seinem Rücktritt mit einem eigenen Turnier. Das prestigeträchtige World Matchplay wurde in Phil-Taylor-Trophy umbenannt.

Zurücklehnen wird sich Taylor aber nur während seiner zweiwöchigen Auszeit in Australien, die Pfeile legt er nicht aus der Hand. „Das Karriereende beschränkt sich nur auf den Rücktritt als aktiver Profi“, erklärte er. Showmatches bestreitet er weiterhin. Dementsprechend ausgebucht ist sein Kalender im nächsten Jahr. Rund 180 Exhibitions spielt der Engländer in diesem Jahr.

Für etwa 5000 Euro pro Termin tingelt Taylor „zum Anfassen“ durch Gaststätten und Eventhallen der Welt. Er kommt als Sparrings-Partner ohne Starallüren, nicht als der größte Darter aller Zeiten.

Nach dem WM-Titel trauen Cross viele Experten zu, den Sport gemeinsam mit dem niederländischen Weltranglistenersten Michael van Gerwen über Jahre zu dominieren. Cross und van Gerwen werden ein Vermächtnis fortführen, welches Taylor in 30 Jahren aufgebaut hat.

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