Rodenkirchen - Manche Kinder reagieren verlegen, wenn sich viele Augen auf sie richten. Das ist bei Luca Meljes ganz anders. Am Ostersonnabend lief der Sechsjährige aus Rodenkirchen mit dem Hauptschiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) in den Dortmunder Signal-Iduna-Park ein – und 80 000 Augenpaare richteten sich auf ihn. Doch Luca blieb cool und abgeklärt, berichtet sein Vater Stefan Meljes.
„Als ob er alle zwei Wochen vor 80 000 Menschen den Ball zum Mittelkreis bringt“, kommentierte ein Freund der Familie die Selbstsicherheit, die der Borussia-Dortmund-Fan Luca an den Tag legte. Wie berichtet, war Luca am 4. April von seinem Lieblingsverein überraschend als Einlaufkind für das Bundesligaspiel gegen Mainz 05 nominiert worden. Sein Vater, der Gemeinde-Mitarbeiter und Borussen-Fan Stefan Meljes, hatte sich für ihn beworben.
In der Nacht vor dem großen Tag schlief Luca gut, auch auf der Hinfahrt zeigte der G-Jugendliche vom ATR keine Nervosität. Gleichzeitig machte sich in seinem Heimatort Spannung breit, schildert Stefan Meljes: Viele Rodenkircher sahen sich den Einlauf beim Bezahlsender Sky an; andere fuhren zu Bekannten, die Sky abonniert haben. „Ob die Straßen in Rodenkirchen so leer gefegt waren wie beim WM-Endspiel 1954, kann ich nicht einschätzen“, sagt Stefan Meljes, „aber es freut uns und Luca natürlich, dass so viele seinen Einlauf sehen wollten.“
Eltern sind stolz
Ostersonnabend um 10 Uhr fuhren Stefan und Luca Meljes zu Hause los, zweieinhalb Stunden später waren sie in Dortmund. Weitere zwei Stunden später empfingen zwei Frauen des BVB-Kids-Clubs die beiden am vereinbarten Treffpunkt. Mit den Worten „Mama und Papa sind unheimlich stolz auf dich“ verabschiedete sich Stefan Meljes von seinem Sohn.
Dann ging Luca mit den anderen Einlaufkindern in eine Umkleidekabine und zog seine Fußballschuhe und seine kurze BVB-Hose an. Ein T-Shirt hatte er vom Kids-Club bekommen; er darf es behalten. Dann wurde den Kindern erklärt, wie sie sich während des Einlaufs verhalten müssen. Danach durften sie hinter einer Werbebande den Spielern 15 Minuten beim Warmmachen zuschauen.
Als ihm dann eine Frau vom Kids-Club sagte, welcher Schiedsrichter ihn an die Hand nehmen werde und dass er den Ball holen und mitnehmen dürfe, antwortete Luca: Er wisse, was er zu tun habe, er habe es oft genug im Fernsehen miterlebt.
Friedrich umarmt
Gegen 15.15 Uhr betraten die Einlaufkinder den dunklen Spielertunnel, wo sie auf Spieler und Schiedsrichter warteten. Luca konnte Hummels, Jojic, Langerak, Aubameyang, Schieber und Sarr abklatschen, aber seinen Lieblingsspieler Marco Reus nicht, denn der stand zu weit weg. Manuel Friedrich nahm Luca sogar in den Arm. Auch Mainzer klatschte er ab. Kleine Enttäuschung: Schiedsrichter Schmidt mochte Luca nicht versprechen, dass er bei einem Foul der Dortmunder nicht pfeift.
Beim Einlaufen ertönte die Hymne „Heja BVB“, die Fans sangen mit, und Lucas Herz schlug schnell. Er sah überall nur Stadion. Dann liefen die Kinder über den Fußballplatz, Luca legte den Ball hin, winkte in alle Richtungen und rannte zum Spielfeldrand. Sein Vater holte ihn ab, und sie kamen gerade rechtzeitig an ihren Plätzen an, um das erste Tor für Dortmund zu sehen. Mit dem 4:2 war Luca sehr zufrieden. Sechs Tore, ein Elfmeter, eine Rote Karte – ein tolles Spiel für das Einlaufkind.
Wenn er groß ist, verriet Luca seinem Vater auf der Rücktour, will er auch für Dortmund spielen. Denn dann darf er ganz oft ins Stadion einlaufen.
