Berne/Oldenburg - Sie klopfen Sprüche, flachsen und sind gut drauf. Vor ihrem Auftritt bringen sie sich hinter der Bühne so richtig in Fahrt. In ihren Blaumännern fallen die acht Jungs mit den muskulösen Oberarmen auf. Keine Frage: Die Showturngruppe des Stedinger Turnvereins Berne bildet die große Ausnahme im weiblich dominierten Wettbewerb des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB).
Doch der Erfolg gibt den Sportlern Recht. Beim „Rendezvous der Besten“, dem Landesfinale der 15 besten niedersächsischen Showgruppen, erhielten sie als eine von drei Akrobatik-Formationen das höchste Prädikat „hervorragend“. Damit qualifizierten sich die Stedinger für das Bundesfinale, das während des Bundesturnfestes (18. bis 25. Mai) in der Rhein-Neckar-Region ausgetragen wird.
Die rund 1500 Zuschauer in der Oldenburger EWE-Arena jedenfalls ziehen die acht Turner schnell auf ihre Seite. Denn die stimmungsvolle Barren-Choreographie „Ein Tag auf dem Bau“ reißt mit. „Wir errichten gerade in Eigenregie ein Fitness-Studio. Daraus ist die Story entstanden“, erzählt Übungsleiter Hannes Ibbeken. Anders als seine Mitstreiter läuft er nicht in Blaumann und Helm, sondern im dunklen Anzug auf. Er spielt den „Spaßverderber vom Amt“, mit dem die Gruppe nach eigener Aussage so ihre Erfahrungen gesammelt hat.
An den Holmen zeigen die Turner im Alter von 17 bis 34 Jahren, was in ihnen steckt. Die Show erinnert an die Schweizer „d’Holmikers“, die vor zwei Jahren beim Feuerwerk der Turnkunst mit einer ähnlich schrägen Nummer begeisterten. „Man schaut sich schon was ab“, räumen die Berner ein, legen aber auch Wert auf ihre eigene Kreativität. „Das ist natürlich nicht das klassische Turnen nach Turnvater Jahn“, erzählt Ibbeken. Zwei bis drei Mal pro Woche trainiert die Gruppe, die aus rund 30 Leuten besteht. „Neue Mitglieder sind herzlich willkommen“, sagt der Übungsleiter. Sein Team existiert bereits seit 13 Jahren, doch an größeren Wettbewerben nehmen die Berner erst seit kurzem teil. Birk Büschen studiert in Köln, kommt für die Auftritte aber immer gerne in die Wesermarsch zurück. „Im Mai fahren wir hochmotiviert zum Bundesfinale“, jubelt er nach der Siegerehrung – und vor der Party am Abend. „Ab Montag wird aber wieder ernsthaft trainiert, wir haben ja noch ein Ziel vor uns“, mahnt er augenzwinkernd zur Konzentration. Klingt fast wie Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer, doch dafür sind die Stedinger zu gut drauf.
