MAILAND - Erst heizte er mit beiden Armen das Publikum an, dann umarmte er überglücklich seinen Kollegen Matthias Fahrig: Fabian Hambüchen hat seine Gala von Mailand am Sonntag mit der Goldmedaille am Boden gekrönt. Einen Tag zuvor hatte der Wetzlarer als erster Deutscher in der 54-jährigen Historie von Turn-Europameisterschaften den Mehrkampf-Titel gewonnen. Den bislang einzigen Allround-Sieg deutscher Turner hatte der Fürther Alfred Schwarzmann bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin erkämpft.
Fünftes EM-Gold
Mit nunmehr fünfmal EM-Gold übertraf Hambüchen in der Hierarchie Altmeister Eberhard Gienger und ist nun der erfolgreichste Deutsche der EM-Geschichte. „Nachdem es am Reck nicht geklappt hat, musste ich es woanders reißen“, sagte Hambüchen nach seiner mit 15,45 Punkten bewerteten Super-Show und strahlte über das ganze Gesicht. Es war das erste deutsche Boden-Gold seit 28 Jahren.
Matthias Fahrig brachte seine Übung fast genauso gut auf den Punkt und sorgte mit 15,40 für den ersten deutschen EM-Doppelerfolg auf der Bodenmatte.
Nachdem Fahrig auch am Sprung mit Bronze überzeugte und Hambüchen auch am Barren mit Platz drei glänzte, trugen beide maßgeblich zum besten deutsche Abschneiden seit 20 Jahren mit insgesamt sechs Medaillen bei.
Enorme mentale Stärke
Tags zuvor hatte Hambüchen mit geschlossenen Augen bei der Nationalhymne seinen Mehrkampf-Triumph ausgekostet. „Es war ein Auf und Ab“, gab der Star-Turner von der TSG Niedergirmes zu, nachdem er sich mit 89,175 Punkten trotz Fehlern am Barren und Reck zum Titel gefightet hatte.
Im Sechskampf hatte Hambüchen wieder enorme mentale Stärke demonstriert. Es war eine gute Entscheidung, den nicht ganz sicheren Kolman-Salto am Reck nach einem Wackler im Vorkampf aus dem Programm zu lassen. Am Seitpferd brachte er nach einer perfekten Boden-Übung den Titel nach Hause. Glänzend verlief der Sechskampf auch für Philipp Boy, der Vierter wurde.
Auch die Mini-Riege der Frauen zeigte Fortschritte: Anja Brinker holte mit Bronze die erste deutsche EM-Medaille seit 22 Jahren am Stufenbarren. Tags zuvor hatte sie im Vierkampf Platz acht belegt.
