Harpstedt - Der Jubel im zweiten Rott wuchs am Dienstagabend von Titelvergabe zu Titelvergabe. Alle fünf Wettbewerbe des Harpstedter Bürgerschützenfestes holte sich das II. Rott. Nachdem Neele Hellbusch schon am Montag Kinderkönigin geworden war, und das II. Rott sich auch den Rottpokal geholt hatte, ging es am Dienstag weiter mit Titeln. Yannick Napp holte sich den U21-Pokal, Bernd Volkmer sicherte sich den Königspokal.

Der größte Jubel galt aber natürlich dem neuen König Marco Roreger. Schon nach dem ersten Umschießen, in dem immerhin 29 Schützen noch um die Königswürde kämpften, war klar: Der neue König kommt wie Vorgänger Eike Harnisch aus dem II. Rott. Neben Roreger hatte auch Werner Horstmann im Umschießen die Zwölf getroffen. Dann aber blieb Roreger ruhiger. Er traf die Acht, während es für Horstmann nur zu einer Zwei langte. Kurz nach sieben stand der Sieger fest – gegen 20.30 Uhr wurde ihm auf dem Krönungsstein, mitten auf dem Festplatz, die Kette umgehängt – neben ihm stand seine Frau Regina.

Vor dem Schießstand hatten sich ab 13 Uhr immer wieder lange Schlagen von ambitionierten Bürgerschützen gebildet, die sich beim Schuss auf die Scheibe messen wollten. Unter ihnen auch Harpstedts Pastor Timo Rucks, der sich mit zwei Treffern in die Elf aber nicht in Regionen bewegte, die zum späteren Umschießen berechtigt hätte. Das war allerdings ohnehin nicht das Ziel des Pastors gewesen. Mit den kirchlichen Aufgaben würde das Königsamt vielleicht nicht unbedingt kollidieren, wohl aber mit dem häuslichen Frieden. „Meine Frau hat mir verboten, König zu werden“, gab Rucks lachend zu. Allerdings wäre er an der 100 Meter entfernten Scheibe wohl ohnehin gescheitert. „Auf die Entfernung habe ich noch nie geschossen“, sagte Rucks.

Unterdessen tobte auf dem Platz vor dem Schießstand das Leben. Im Minutentakt wurden vermeintliche Sünder verhaftet und unter lautem Getrommel vor Gericht gebracht. Mindestens einmal gab es allerdings ein krasses Fehlurteil, davon war zumindest der stellvertretende Bürgermeister Stefan Wacholder nach seiner Verhaftung überzeugt. „Mitglieder des Magistrats dürfen sowieso nicht verhaftet werden“, so seine Argumentation. Auch den vorgetragenen Vorwurf wies er mit gespielter Empörung weit von sich: „Ich wurde wegen fehlenden Blumenschmucks verhaftet, den darf der Magistrat aber gar nicht tragen.“ Die ihm auferlegte Strafe habe er nur aus Gutmütigkeit gezahlt, so Wacholder. Andere Sünder zeigten sich eher reumütig und beglichen ihre Schuld ohne zu murren.

In der Rottscheune ging es unterdessen – wie in jedem Jahr hoch her. Zu lauter Musik und mit in die Luft gereckten Holzgewehren wurde getanzt und mitgesungen.

Und auch nach der Krönung des neuen König ging die Party noch weiter – bis es Zeit war, den neuen Regenten nach Hause zu bringen und dort einen letzten Imbiss und ein letztes Getränk zu sich zu nehmen. Dort hatte die Nachbarschaft alles vorbereitet. Damit hat sie allerdings reichlich Erfahrung – schließlich ist Roreger schon der dritte König aus der Straße Am Schwarzen Berg.