Rastede - Für Mathias Kasselmann geht in dieser Woche ein Traum in Erfüllung. Der 34-Jährige aus Rastede (Kreis Ammerland) ist einer von 40 000 Läufern, die beim Chicago-Marathon dabei sind. Am Donnerstag steigt er in den Flieger, am Sonntagmorgen folgt für ihn der Startschuss bei einem der sechs großen Major-Marathonwettbewerbe.
„Ich freue mich auf die vielen neuen Eindrücke. Ich möchte die Atmosphäre, den Lauf und die Stadt an sich aufsaugen“, sagt der Ammerländer. Für den Starter des Lauftreffs Rastede ist es die erste Reise in die Staaten. „Wenn es um den Lauf geht, bin ich eigentlich ziemlich entspannt, ich bin eher aufgeregt wegen der Reise“, sagt Kasselmann und lacht.
In Berlin qualifiziert
Einen der begehrten Startplätze hat sich der Ammerländer mit seiner guten Zeit von 2:33 Stunden beim Berlin-Marathon im Vorjahr gesichert. „So bin ich in den schnellen Läuferpool reingerutscht, für den 5000 Plätze freigehalten werden. Die Zusage war trotzdem ein tolles Gefühl“, sagt der Rasteder, der vor drei Jahren vom Fußball zum Laufsport wechselte.
Taktgeber in der Vorbereitung ist sein eigener Körper. „Ich habe meine Trainingspläne über die vergangenen dreieinhalb Jahre selbst strukturiert. Ich habe immer wieder neue Dinge ausprobiert und mir Ideen bei anderen Sportlern geholt“, sagt Kasselmann. Am Ende jeder Trainingsphase reflektiert er und lässt sich zwei Wochen Zeit für die Auswertung. Seine angepeilte Traumzeit von 2:30 Stunden sei wahrscheinlich die persönliche Grenze. „Das kann ein ambitionierter Hobbyläufer gerade noch schaffen“, sagt Kasselmann.
Zehn Wochen vorbereitet
Seine Vorbereitungszeit von zehn Wochen wurde aber etwas durcheinandergewürfelt. „Ich bin vor 13 Wochen Vater geworden. Das hat das Trainingsvolumen dann natürlich gemindert. Die Zeit nehme ich mir gerne für den Nachwuchs und jetzt so kurz vor dem Start muss ich sagen, dass mir das nicht geschadet hat“, sagt der Rasteder mit einem Lachen.
Ansonsten sei es eine normale Marathon-Vorbereitung gewesen. Drei bis vier Wochen Grundlagen, ab der vierten Woche beginnt das spezifische Training mit Einheiten für das Marathon-Tempo. Als Vorbereitungslauf hatte sich Kasselmann das Zehn-Meilen-Rennen beim Wardenburger Sommerlauf ausgesucht. „Das lief sehr gut, auf den letzten drei Kilometern konnte ich sogar ein bisschen das Tempo rausnehmen“, beschreibt der Rasteder seinen Siegerlauf über die knapp 16,1 Kilometer in 57:45 Minuten. In den letzten beiden Wochen vor dem Marathon habe er das Trainingsvolumen, das teilweise bei bis zu 150 Kilometer in der Woche lag, wieder deutlich heruntergeschraubt und regeneriert.
Für den Start in Chicago hat sich der Ammerländer kein klares Ziel gesetzt. Er möchte aber besser abschneiden als beim Wien-Marathon im April, als er in 2:41 Stunden ins Ziel kam. „Da bin ich aber guter Dinge – schon weil es in Chicago ein reiner Stadtkurs ist mit überall vielen Zuschauern an der Strecke. Sowas motiviert mich extra“, sagt der 34-Jährige. Auch das flache Streckenprofil komme ihm entgegen.
Start in Morgenstunden
Seine sechs Tage in den USA hat Kasselmann bereits gut durchgeplant. „Schwer wird der Donnerstag. Da muss ich mich wahrscheinlich erst einmal akklimatisieren und in den Zeitrhythmus reinfinden“, sagt der Rasteder. Am Freitag bekommt er seine Startunterlagen, am Samstag möchte er sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen. Um 18.30 Uhr gibt es die letzte Mahlzeit, am Abend eine kleine Joggingrunde über acht Kilometer mit Steigerungsläufen. Am Sonntag klingelt dann um 3.30 Uhr der Wecker, um 7.30 Uhr fällt der Startschuss beim Marathon. Danach will er Chicago nur noch genießen.
