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NWZonline.de Sport

Ehrenamt: Mehr als nur ein Segelschiff

21.03.2013

Elsfleth Mit einem Karton unter dem Arm steigt Sigrid Dahl die Gangway zum Traditionssegler „Großherzogin Elisabeth“ hinab. Auf dem ganzen Schiff laufen Männer und Frauen in Arbeitskleidung herum, streichen die blass gewordenen Aufbauten mit frischer, brauner Farbe, tauschen Tauwerk und Blöcke aus. An jedem Teil hängt ein kleiner Zettel, auf dem genau verzeichnet ist, an welcher Stelle das Stück entnommen wurde, damit später, nach der Aufbereitung, jeder Haken, jede Schraube, jedes Brett wieder an seinen Platz kommt. Die Vorbereitungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren.

Nachwuchs fördern

Dahl begrüßt jeden der Frauen und Männer mit einer Umarmung. Die Atmosphäre ist herzlich. „Hast du neue Sachen dabei?“, fragt ein Mann mit freudigem Blick auf den Karton. Auf dem Hauptdeck geht sie weiter Richtung Salon. Auf dem Weg kommt ihr Jörg Lucas im ölverschmierten Blaumann entgegen: „Ich brauche unbedingt eine neue Regenjacke“, sagt er. „Klar, besorg ich dir, welche Größe brauchst du noch mal?“

Im Salon angekommen, stellt Dahl den Karton auf den Tisch. An Bord des Dreimasters, der von vielen liebevoll „Lissi“ genannt wird, ist Sigrid Dahl für den Verkauf der Souvenirs zuständig. „Wir haben unser Hobby ein wenig ausgebaut“, sagt Dahl über sich und ihre Familie. Seit 20 Jahren ist sie nun Mitglied im Schulschiffverein „Großherzogin Elisabeth“. Der Verein ist Besitzer und Betreiber des Dreimastschoners. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ausbildung des seemännischen Nachwuchses zu fördern.

Dahl wurde durch ihren Mann Mitglied. Ihn lernte sie 1991 kennen. Irgendwann sagte er zu ihr: „Ich habe eine Freundin, und die werde ich nicht aufgeben, die musst du an meiner Seite akzeptieren.“ Gemeint war die „Großherzogin Elisabeth“, das Segelschulschiff. Inzwischen hängt auch Sigrid Dahl mit viel Herzblut an dieser „Freundin“. Ihre Kinder sind mit dem Schiff groß geworden. „Sie sind schon im Maxi-Cosi mit an Bord gekommen“, erinnert sie sich.

Traditionssegler als Ausbildungsstätte

Das Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“wird zur seemännischen Grundausbildung von Berufsanfängern in der Seeschifffahrt genutzt. Im Frühjahr und Herbst wird sie regelmäßig für Ausbildungsfahrten der Nautikstudenten der Jade Hochschule zur Verfügung gestellt. Von Ostern bis Oktober haben auch Privatpersonen die Möglichkeit, Wochenend- und Sommerreisen zu buchen.

  Mehr Infos unter www.grossherzogin-elisabeth.de

„Das hier ist ein Schulschiff, also sind alle unsere Gäste gleichzeitig Trainees“, sagt Dahl. Die Fahrten laufen deshalb nach dem Prinzip „Hand gegen Koje“, die Gäste sind also auch an Bord gefordert. Der Verein finanziert die Ausbildungsfahrten und die Trägerschaft aus den Beiträgen seiner Mitglieder, den Einnahmen durch die Gästefahrten und aus Spenden.

Der Souvenirverkauf lief lange Zeit einfach nebenher. Die Gäste sollten die Möglichkeit haben, eine kleine Erinnerung von ihren Reisen mitzunehmen. Irgendwann übernahm Dahl den Souvenirverkauf an Bord des Schiffes.

Hauptberuflich arbeitet sie in der Buchhaltung eines technischen Betriebes. „Hier an Bord bin ich quasi der Broker, Verkaufen macht mir einfach Spaß. Das Tolle hier im Verein ist, dass jeder seine besonderen Fähigkeiten hat, die er einbringen kann“, so Dahl. Den Souvenirverkauf übernahm sie deshalb nicht nur gerne, sie krempelte ihn auch gehörig um. „Ich wollte nicht nur irgendwelchen Schnick-Schnack verkaufen“, sagt die 51-Jährige. „An Bord braucht man etwas, das auch ein bisschen was ab kann. Ich suche also schon Sachen aus, die qualitativ hochwertiger sind. Alles, was ich verkaufe, hat bei uns in der Familie schon den Härtetest bestanden“, sagt Dahl und lacht.

Das Schiff repräsentieren

Sie öffnet den Karton und holt Fleecejacken, Polo-Shirts, Pullover, Westen, Schirmmützen, Becher, Laptop-Taschen und einiges mehr daraus hervor. Alle mit dem Aufdruck der „Großherzogin Elisabeth“ darauf. Sofort kommen einige Crewmitglieder dazu und begutachten neugierig die Kleidungsstücke und Souvenirs auf dem Tisch. „Eigentlich bräuchte ich auch mal wieder eine neue Fleecejacke, meine ist schon so abgenutzt“, sagt Karin Jobmann. Die 67-Jährige hat gerade ein paar neue Rezepte ausprobiert für die nächste Sommerreise der „Lissi“. Diesmal soll es an die Südenglische Küste gehen. Jobmann hat englische Scones gebacken, die ihr die an diesem Tag arbeitenden Crewmitglieder dankend abnehmen.

Die Oberbekleidung aus Dahls Sortiment sollte zunächst nur für die Crew sein, um sich von den Gästen abzuheben. „Aber die Gäste wollten sich auch mit dem Schiff und der Crew identifizieren“, erklärt Dahl. Auch sie wollten zeigen, dass sie ein Teil der Mannschaft sind. „Als Mannschaft eines Schiffes braucht man solche Sachen auf jeden Fall, so dass man in den Hafen gehen kann und die Leute sehen, dass man zur Crew gehört“, sagt auch Johannes Reifig, einer der Kapitäne und Vorsitzender des Vereins.

„Zum Arbeiten an Bord ist es natürlich eigentlich egal, was man anzieht“, sagt Dahl, „aber zum Repräsentieren braucht man immer gute ,Lissi‘-Sachen. Wenn man sie trägt wird man auch häufig darauf angesprochen.“ Dem stimmt auch Karin Jobmann zu. „Das passiert uns sogar in Schleswig Holstein“, sagt die 67-Jährige, „man wird oft angesprochen und kommt dann mit den Leuten ins Gespräch.“

Enge Freundschaften

Die Mitglieder des Vereins sind stolz auf ihre „Lissi“, das merkt man an der Art, wie sie von dem Schiff sprechen. Sie alle engagieren sich ehrenamtlich. „Wir wollen dieses Schiff am Leben erhalten, wir betreiben es aus Ideologie“, sagt Dahl. Die gemeinsame Liebe zum Schiff hat zwischen den Mitgliedern ein herzliches, enges Verhältnis entstehen lassen. „Es sind sogar schon Ehen geschlossen worden, und Karin hier ist die Patentante meiner Kinder“, sagt Dahl. Jobmann erklärt das große Engagement für das Schiff: „Wir von der Crew können wirklich sagen, uns gehört das Schiff!“

Der Verkauf von Sigrid Dahl läuft unabhängig vom Verein, der sonst für die Produkte in Vorlage gehen müsste, erklärt Dahl. So kauft sie die Produkte auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko. „Deshalb kann ich nicht in großen Mengen produzieren, das meiste läuft auf Bestellung“, sagt Dahl. Doch den Erlös steckt sich die 51-Jährige nicht etwa in die eigene Tasche, die eine Hälfte nutzt sie zur Deckung ihrer Kosten, die andere Hälfte geht zu Nutzen des Schulschiffvereins. „Einmal im Jahr übergebe ich die Erlöse als Spende an den Verein“, so Dahl. Ihr Ziel ist es, mit ihren Produkten das Schulschiff bekannt zu machen, damit auf der „Großherzogin Elisabeth“ noch viele Nachwuchsseeleute ausgebildet werden und den Zusammenhalt einer Mannschaft erfahren können.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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