Hude - „Einer macht’s vor und alle machen mit“, sagt Imke Cronshage und rudert mit den Armen in der Luft. So ganz ohne Musik, in Jeans und Sweatshirt sieht das komisch aus – und motiviert auch nicht sonderlich zum kollektiven Gezappel. Noch nicht.

Denn: „Zumba kann man nur mit Musik tanzen“, erklärt die Huderin – „dann macht’s Spaß“. Sie setzt sich wieder hin. Heute steht sie nicht als Trainerin vor ihren Schülern, sondern spricht über ein ernstes Thema: die Flutkatastrophe. „Ich will helfen“, sagt die 37-Jährige und berichtet von den Bildern im Fernsehen, die ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Anstatt trübselig sitzen zu bleiben, entschloss sich der Fitness-Fan aktiv zu werden: Die Huder sollen für die Opfer der Hochwassergebiete tanzen – eine Zumba-Party mit Benefizcharakter.

„Nee, gemacht habe ich sowas noch nie“, gesteht die gelernte Heilpraktikerin, „aber bei Anderen gesehen.“ Und so begann sie zu recherchieren, was für eine derartige Veranstaltung wichtig ist. Über soziale Netzwerke im Internet holte sie Trainer aus dem ganzen Oldenburger Landkreis und Bremen mit ins „Rettungsboot“. 30 sagten zu, bei dem „Zumbathon“ – einem vierstündigen Tanz-Event, mitzumachen. Ein Anruf bei Hudes Bürgermeister später, war auch ein Ort für die Benefizveranstaltung gefunden. „,Sie kriegen die Halle am Huder Bach☺’, hat Axel Jahnz gesagt – und, dass ich mir nicht zu viel vornehmen soll.“ Imke Cronshage lacht. „Wird schon klappen.“

Seit einem Jahr trainiert sie an regioVHS und in einem Huder Fitnessstudio Zumba-Gruppen. Sie selbst hat vor drei Jahren mit dem Trendsport angefangen. „Ich wollte was für meine Figur tun – als ich aufgehört habe zu rauchen, ging das Gewicht hoch“, berichtet die 37-Jährige. Im Sportclub sei sie auf die Mischung aus Aerobic und lateinamerikanischen Tanz gestoßen und war gleich begeistert. Vor allem, als sie feststellte, wie viel sie mit dem neuen Sport abnehmen konnte. Je nach Belastungsintensität werden beim Zumba zwischen 400 und 1000 Kalorien in der Stunde verbrannt. Einer von vielen Gründen, warum die in Deutschland recht junge Sportart gerade so gefragt ist. Über mangelnde Schüler kann sich die 37-Jährige jedenfalls nicht beklagen: „Zu meinen Beruf als Heilpraktikerin komme ich derzeit gar nicht mehr.“

Mit dem „Zumbathon“ verwirklicht sich die Huderin nicht nur den eignen Traum einer großen Tanzparty und hilft – sie will mit ihrer Leidenschaft auch Neueinsteiger anstecken. „Der Lateinamerikaner Alberto Perez, der den Tanz entwickelt hat, behauptet, Zumba kann jeder auf Anhieb mitmachen“, erzählt sie und schränkt schmunzelnd ein: „Norddeutsche brauchen vielleicht zwei, drei Stunden länger.“

Dazu haben die „Zumbathon“-Besucher am 3. August Gelegenheit: von 14 bis 18 Uhr werden unter Anleitung Hüften und Arme zu heißen Rhythmen geschwungen. Mitzubringen sind bloß Sportsachen und Wasser. Geplant ist auch eine Tombola.

Alle Einnahmen gehen an die „Aktion Deutschland hilft“ und unterstützen die Leidtragenden in den Hochwassergebieten. Tanzen und helfen in einem Schritt also – oder, um es in Worten eines Zumba-Profis auszudrücken: „Einer macht’s vor und alle machen mit“.