METJENDORF - Kurt Gorzel ist Taubenzüchter aus Leidenschaft. Seit 64 Jahren haben es die gefiederten Langstreckenflieger dem heute 74-jährigen Oldenburger angetan – und bis heute fasziniert den Vorsitzenden des Vereins „Kehre wieder“ Metjendorf, wie seine Vögel bei Preisflügen über oft mehrere hundert Kilometer eben stets den Weg zum Schlag zurückfinden. Eine Fähigkeit, deren Ursachen bislang nicht wirklich erforscht sind, wie der Fachmann einräumt.
Rasante Vögel
Gemeinsam mit Sohn Wolfgang (53) unterhält Gorzel am Stadtrand von Oldenburg – direkt an der Grenze zur Gemeinde Wiefelstede – eine Schlaggemeinschaft. Sie haben zusammen derzeit etwa 140 Tauben. Und darunter sind nach Abschluss der diesjährigen Reisesaison der „Brieftaubenreisevereinigung Oldenburg und Umgebung von 1927“, in der sich 15 Vereine zusammengeschlossen haben, einige wirklich rasante Vögel.
13 Flüge hatten die Tauben der Mitgliedsvereine in der Saison zu absolvieren, die Strecken variierten zwischen 169 und 620 Kilometern. Die vier besten, weil schnellsten, Tauben hatte dabei die Schlaggemeinschaft Gorzel – ein Erfolg, den Kurt Gorzel zuletzt vor 16 Jahren hatte, wie er sagt. Insgesamt 45 Preise heimsten die vier Flieger ein und legten in dieser Saison dabei 17 122 Kilometer zurück.
Bester Altvogel
Auch den besten Altvogel stellt die Schlaggemeinschaft – das ist das beste Männchen. „Das dürfte derzeit zudem unter den besten sieben in ganz Deutschland rangieren“, freuen sich Vater und Sohn: Allein innerhalb der Brieftaubenreisevereinigung Oldenburg und Umgebung räumte der Vogel bei 13 Flügen 12 Preise ab und legte dabei 4714 Kilometer zurück. Sieben weitere erste und zweite Plätze schaffte die Schlaggemeinschaft in dieser Saison.
Bei den vielen Reiseflügen sind durchaus auch Verluste zu beklagen. So schickte der Metjendorfer Verein in der abgelaufenen Saison 400 Vögel auf Reisen – sieben von ihnen kamen nicht zurück. „Hochspannungsleitungen, Greifvögel, Krähen: Da schaffen es nicht alle Vögel zurück zum Schlag“, weiß der Oldenburger.
Seit 39 Jahren steht Kurt Gorzel mittlerweile dem Vereine „Kehre wieder Metjendorf“ vor – und räumt ein, dass auch sein Verein unter Nachwuchsmangel leidet. „Wir haben in Metjendorf gerade noch zehn aktive Mitglieder“, sagt der 74-Jährige. Noch deutlicher wird das Problem mit Blick auf die gesamte Reisevereinigung: „Alle 15 Vereine zusammen haben derzeit lediglich ein einziges jugendliches Mitglied“, bedauert der Oldenburger.
Heute mehr Geld nötig
Gründe sehen die Gorzels auch darin, dass ihre große Leidenschaft heutzutage mehr Geld kostet als früher. „Allein in den vergangenen drei bis vier Jahren hat der Preis für Taubenfutter um gut 40 Prozent zugelegt“, sagt Wolfgang Gorzel. Und macht für den Preisanstieg nicht zuletzt die Biogasanlagen verantwortlich. Kurt Gorzel sieht da aber noch eine andere Entwicklung, die die Brieftaubenhaltung erschwert: „In den Neubaugebieten gibt es heute viel kleinere Grundstücke als früher. Da einen vernünftigen Taubenschlag aufzubauen, ist gar nicht möglich.“
