Wilhelmshaven - Der Wilhelmshavener Michel Dornbusch bestreitet mittlerweile seit mehr als zehn Jahren seine Spiele im Trikot des Oldenburger OTeV – soweit die Dinge, die auch an dieser Stelle seit seinen Anfängen beim WTHC regelmäßig Zeitungsspalten gefüllt haben.
Doch der 32-Jährige, der mit Frau und einjährigem Kind in Oldenburg lebt, ist noch viel internationaler im Einsatz. In der zweiten Saison schlägt Dornbusch neben seinem Oldenburger Engagement in Frankreich auf. Genauer: Auf der Insel Île de Ré an der französischen Westküste bei La Rochelle.
Punktspiele auf Inselin Frankreich
Der dortige Fünftligist hatte über mehrere Ecken mit dem Wilhelmshavener Kontakt aufgenommen. Und weil die Spiele der dortigen Sommerrunde sich mit den heimischen OTeV-Auftritten verbinden ließen, sagte Dornbusch trotz des Aufwands zu.
Denn ein Punktspiel-Wochenende in Frankreich beginnt für Dornbusch morgens um 5 Uhr. Mit dem Flugzeug geht es über Bremen oder Hannover mit einem Zwischenstopp nach Bordeaux. Anschließend sitzt der 32-Jährige noch einmal mehr als zwei Stunden im Auto, bis die 30 Kilometer lange Insel erreicht ist. Auf dem Rückweg wiederholt sich das Ganze dann noch einmal, damit Dornbusch rechtzeitig wieder seinen Verpflichtungen vor Ort nachkommen kann – dazu zählt eine halbe Stelle als Tennislehrer bei BW Oldenburg.
Eine Erkenntnis hat Dornbusch aus diesem – zeitlich begrenzten – Engagement gewonnen. „Ich habe höchsten Respekt vor den Tennisprofis, die angesichts ihres eng gestrickten Terminkalenders mit 30 bis 35 Turnieren im Jahr diese Strapazen ausblenden können.“
Im kommenden Jahr wird das Ganze dann noch komplizierter: Weil der Dornbusch-Klub in die 4. Liga aufgestiegen ist, wächst der Aufwand. „Die vier ersten Ligen in Frankreich werden national ausgespielt. Regionale Zuordnungen wie bei uns gibt es nicht. Auch in der 4. Liga wird es also Spiele überall in Frankreich geben.“
Spiele im Sommerauch in Dänemark
Einen Vorteil allerdings hat das Tennisspielen in einer Region, wo andere Urlaub machen. Man macht selber Urlaub: Im März fuhr Michel Dornbusch „mit Frau, Kind und Hund“ für drei Wochen auf die Île de Ré, bestritt drei Punktspiele und nutzte die spielfreie Zeit, um mit der Familie die Umgebung zu erkunden.
Das Engagement in Frankreich ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn zusätzlich spielt der gebürtige Wilhelmshavener im Sommer – dort liegen die Spiele mit Mai und August auch strategisch günstig – auch noch für Give TK. Der Vorteil: In Dänemark ist Dornbusch deutlich schneller. „Zwei Stunden ab Hamburg – das ist in Ordnung. Aber eigentlich ist das schon verrückt, dass man im Tennis überall in Europa parallel für verschiedene Clubs spielen kann.“
Operation zieht neuePerspektive nach sich
Und noch etwas ist „neu“ im Leben des Tennislehrers, der nach dem Master-Studium in England seinen Bürojob im Online-Marketing zugunsten des Sports wieder aufgab. Auslöser war ausgerechnet eine Knie-OP wegen eines Knorpelschadens, die Dornbusch in eine einjährige Pause zwang. Denn gerade zu dem Zeitpunkt, als der 32-Jährige wieder zumindest teilweise auf dem Platz stand, kam eine Anfrage von Nachwuchsspielerin Julia Middendorf. Die Dinklagerin war auf der Suche nach professioneller Unterstützung.
Dornbusch: „Das passte wunderbar zusammen, obwohl ich weder einen Trainerschein besitze, noch Ambitionen hatte, in diesen Bereich einzusteigen. Aber so bin ich langsam wieder auf die Beine gekommen. Und Julia arbeitet sich seitdem in der Weltrangliste langsam nach oben.“
