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Jubiläum Mit einer Teppichstange fängt alles an

Jens Milde

Schweewarden - Der TV Schweewarden ist ein Dorfverein, der in seiner 150-jährigen Geschichte nicht allzu oft in die Schlagzeilen geraten ist. Aber Anfang der 90er-Jahre änderte sich das schlagartig. Grund dafür war der Bau der Multifunktionshalle, die damals 1,2 Millionen Mark kostete. Ein Riesenprojekt für einen Verein mit damals rund 220 Mitgliedern und einem Monatsbeitrag von 87 Pfennigen. Eine Interessengemeinschaft der örtlichen Vereine setzte sich unter der Führung des heutigen Bürgermeisters Hans Francksen für den Bau der Halle ein. Die Finanzierung gelang – auch dank großzügiger Zuschüsse. So wurde die Halle 1991 gebaut. Erwin Schiereck junior, der heute Vorsitzender des TV Schweewarden ist, erinnert sich, dass sich die Zahl der Mitglieder quasi über Nacht verdoppelte.

Zweitältester Turnverein

Der Bau der Halle ist ein Meilenstein in der Geschichte des Vereins, der im nächsten Monat auf 150 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken kann und dieses Jubiläum gebührend feiern will (siehe Infokasten). Der TV Schweewarden ist nach dem TSV Abbehausen der zweitälteste Turnverein in Nordenham. Am 14. März 1864 wurde er aus der Taufe gehoben.

Für die Gründung des Vereins dürfte den Überlieferungen zufolge ein Gestänge vor Schröders Gasthof, dem späteren Kaiserhof, eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Dort vergnügten sich die jungen Leute, die eigentlich zum Kegeln gekommen waren, gelegentlich auch bei Turnübungen. Irgendwann brach das zum Reck umfunktionierte Gestell, das der Wirt vermutlich zum Teppichaufhängen genutzt hatte, zusammen. Bei den Überlegungen zu einer Neuanschaffung kam der Gedanke auf, einen Turnverein zu gründen.

Die Turner hatten in den Anfangsjahren weder eine Halle noch einen Sportplatz. In den kalten Monaten turnten sie in der Gaststätte. In den Sommermonaten nutzten sie dafür einen Platz im Garten. Die ersten Geräte, ein Reck, ein Barren und ein Springbock, bezahlten die Turner aus eigener Tasche. Zu den Mitgliedern des Vereins gehörten in den Anfangsjahren rund 20 Turner, hinzu kamen 30 bis 35 passive Mitglieder. Im Jahre 1908 wurde eine Frauenabteilung gegründet.

Wenige Wochen nach dem Stiftungsfest zum 50-jährigen Bestehen begann der Erste Weltkrieg. Das hatte auch Auswirkungen auf das Vereinsleben. Viele Mitglieder mussten an die Front. Zwölf von ihnen kehrten nicht zurück.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, hatte das ebenfalls großen Einfluss auf das Vereinsleben. Infolge des politischen Umbruchs wurde aus der Freude an körperlicher Ertüchtigung eine Art militärischer Ausbildung. Auch 1939 mussten viele Vereinsmitglieder in den Krieg ziehen. Das Vereinsleben kam völlig zum Erliegen. Auch der Zweite Weltkrieg forderte zahlreiche Opfer unter den Mitgliedern. Nach dem Krieg mussten die Schweewarder Turner wieder bei Null anfangen.

In der Nachkriegszeit traten beim TV Schweewarden mehr und mehr die Leichtathletik und die Ballspiele in den Vordergrund. Das Schleuderballspiel wurde gar zu einem Aushängeschild des Vereins.

Die Turner haderten zunehmend mit den Trainingsbedingungen. Seit Gründung des Vereins mussten sie im Saal der Gaststätte Kaiserhof trainieren. Dieser Zustand war aber nicht länger tragbar. So gründete sich die Interessengemeinschaft „Turnhalle in Schweewarden“. Vor allem Hans Francksen war es zu verdanken, dass in Schweewarden die Halle gebaut wurde.

Tennis-Boom

Der Bau der neuen Halle fiel nicht zufällig zusammen mit dem Tennis-Boom, den die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf auch in Nordenham ausgelöst hatte. Mit der neuen Halle sollte der Bedarf gedeckt werden. Das gelang auch. Es wurde eine Tennisabteilung gegründet. Die Zahl der Mitglieder stieg sprunghaft in die Höhe. Weil der TK Nordenham mit dem Bau seiner Tennishalle nachzog und der Tennisboom wieder abebbte, hat sich dieser Effekt wieder relativiert. Inzwischen hat sich die Zahl der Mitglieder bei 220 eingependelt. Das entspricht in etwa dem Stand vor dem Bau der Multifunktionshalle.

Zu den Höhepunkten im Vereinsleben gehören nach wie vor die Landes- und die Bundesturnfeste, an denen sich der TV Schweewarden regelmäßig mit einer Gruppe beteiligt.

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