Berne - Silvia Logemann reitet seit ihren Kindertagen. Sie war eine begeisterte Springreiterin. Aber ihre Krankheit zwang sie, die Disziplin zu wechseln. Heute startet die Bernerin erfolgreich in Para-Dressurprüfungen. Silvia Logemann leidet an Multipler Sklerose.
„Es ist ein entzündlicher Prozess, der im Gehirn oder Rückenmark stattfindet und unter anderem die Arbeit und Steuerung von Organen, Muskeln und Gliedmaßen einschränkt“, sagt die Sportlerin vom Reit- und Fahrverein Sturmvogel Berne. Die maximale Therapie für MS-Erkrankte sei das therapeutische Reiten. Die Bewegungen des Pferderückens stimulierten so viele verschiedene Muskelgruppen wie kein anderer Sport, sagt sie.
Sensible Rothana
Silvia Logemann hat in diesem Jahr wieder den Schritt in den Turniersport wagen können – „dank meiner gut ausgebildeten Stute“, betont sie. „Sie war ein echter Glücksgriff für mich.“ Ihre 15-jährige Rothana sei die ideale Partnerin: Sie ist im Regelsport bis Klasse M gegangen, dazu sehr sensibel und hat auch noch gute Nerven.
Erst vor wenigen Wochen starteten die beiden in Prag in einer international ausgeschriebenen Para-Dressurprüfung. Dafür qualifiziert haben sie sich bei den Deutschen Meisterschaften im September dieses Jahres.
Je nach Schwere der Behinderung erfolgt eine Einstufung in vier Kategorien, wobei Kategorie eins die Reiter mit dem stärksten Handicap umfasst – zu denen gehört auch Silvia Logemann.
Die Reiter einer Kategorie treten dann in einer Prüfung gegeneinander an. Die Bewertung durch der Richter bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Ausführung der Lektionen und weniger auf den Sitz, der wegen der unterschiedlichen Beeinträchtigungen nur begrenzt vom Reiter beeinflusst werden kann.
Seitdem das Para-Reiten olympisch ist, versucht die Internationale Reiterliche Vereinigung, Aufgabenstellungen und Regelwerke zu vereinheitlichen und den Weg in den Turniersport für Menschen mit körperlichen Behinderungen zu erleichtern.
Weite Wege
„Doch hier bei uns in Niedersachsen merkt man davon leider nicht viel“, sagt Silvia Logemann. Deswegen ziehe es sie häufig nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort biete ein stärker vernetzter Dachverband für Schwerbehindertensport Lehrgänge und Kontakte in den Turniersport an.
Die Krankheit selbst, ein eigenes Pferd und die weiten Wege zu den Lehrgängen und Turnieren nehmen viel Zeit und Geld in Anspruch. „Mit einem Sponsor wäre vieles einfacher“, sagt Silvia Logemann und lacht. Direkte finanzielle Förderung gebe es erst, wenn man für den deutschen Kader reite.
Der Weg dahin ist mit einem hohen persönlichen Einsatz verbunden – doch alleine läuft nichts. Ihre Freunde und Vereinskollegen unterstützen sie deshalb tatkräftig: Katherina von Essen und Jörn Stolle sind im Training und bei Turnieren stets an ihrer Seite. Jule Uhlhorn springt als zuverlässige Hilfe ein, wenn mal Not am Mann ist. Auch im Reitsport gilt: Hinter jedem noch so guten Einzelsportler steckt auch eine starke Mannschaft.
