Hamburg/Varel - „Dass wir an diesem Sonnabendnachmittag gegen Schalke 04 ein Endspiel um den Klassenerhalt erleben werden, daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht, als wir vor einem halben Jahr unsere Jubiläumstour geplant haben“, sagte Jürgen Frers, Vorsitzender des HSV-Fanclubs „Freies Friesland“ am Freitag auf dem Weg ins Hamburger Volksparkstadion in einem Telefonat mit der NWZ . Die Anhänger des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sind seit exakt 25 Jahren in Friesland organisiert. Aus diesem Grund wird der offizielle HSV-Fanclub kurz vor der Erstligapartie im Stadion in Hamburg geehrt.
Ganz wohl ist Frers, den 30 mitgereisten friesländischen Mitgliedern und den dazugehörigen Frauen und Freundinnen dabei nicht. „Unsere Stimmung ist schon ziemlich angespannt. Diese Partie ist vielleicht das wichtigste Spiel des HSV überhaupt“, betonte Frers. Die Chancen der Hamburger, doch noch den Klassenerhalt im letzten Saisonspiel zu schaffen, schätzt der 50-Jährige auf 50 Prozent. „Unsere Hoffnung stirbt zuletzt. Ein Abstieg ist für unseren HSV aber nicht heilsam“, so Frers.
Falls die Hanseaten den Gang in Liga zwei antreten müssen, rechnet Frers mit deutlichen Konsequenzen. „Es wird personelle Konsequenzen haben. Der Aufsichtsrat wird jeden Deckel und Stein umdrehen. Es wird einen Radikalschlag geben. So mancher wird sich seine Papiere abholen dürfen“, ist sich Frers sicher.
Knackpunkt der Hamburger Misere ist nach Ansicht von Frers eine absolut verfehlte Einkaufspolitik der HSV-Verantwortlichen. „Es sind sicherlich Millionen einfach so verbraten worden. So ist ein Stürmer Pierre-Michel Lasogga für 8,5 Millionen Euro geholt worden, der definitiv bei seinem Wechsel von Hertha BSC nicht topfit war“, schimpft Frers. Die vier Trainerwechsel in dieser Spielzeit hätten zudem ihr Übriges getan. „Das Experiment mit Joe Zinnbauer ist absolut fehlgeschlagen. Er ist ein lieber und netter Kerl, aber absolut kein Erstliga-Trainer“, erklärte Frers.
Der Fanclub steht wie ein Mann hinter dem HSV. „Wir haben die Mannschaft durch halb Europa begleitet und bleiben dem Club auch nach einem Abstieg treu“, versprach Frers. Alle Mitglieder haben bereits Dauerkarten für die neue Spielzeit 2015/16 geordert. „Das ist wie eine Ehe. Wir sind mit dem HSV verheiratet und gehen durch dick und dünn“, machte Frers deutlich.
