Ramsloh - „Ich bin als Quereinsteiger zum Reiten gekommen“, sagt Uwe Jourdain. Und hätte ihm jemand vor Jahren gesagt, dass er selber einmal ein Pferd besitzen würde, hätte er das wohl nicht geglaubt. „Meine Ex-Frau hatte sich damals ein Pferd gekauft. So kam ich dann zu meinem eigenen“, sagt der 52-Jährige. Und das war Massai. Durch ein Kunststück mit Massai wurde Jourdain bekannt. Sie hatten Auftritte im Fernsehen und gaben Vorführungen auf Messen.

Seit mehreren Jahren gibt Jourdain bereits Seminare im Bereich Bodenarbeit und Freiheitsdressur – und das mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in der Schweiz, in Spanien, Kanada, den USA und in Malaysia. Zudem ist er Dozent bei der Europäischen Pferde Akademie.

Seit sieben Wochen wohnt der gebürtige Sauerländer zusammen mit seiner Lebensgefährtin Pia Tetzlaff in Ramsloh. Lange haben die beiden deutschlandweit gesucht. „Die Immobilie hat uns sofort angesprochen“, so Jourdain. „Es ist alles genau an unsere Bedürfnisse angepasst“, freut sich Tetzlaff. Und auch die Pferde – Galopper Iltschi und Haflinger Mirco, die Jourdain gehören, sowie Adriano, der Tetzlaff gehört –, würden sich wohlfühlen, sagt die 58-Jährige. Bald soll es für die Pferde noch einen Aktivstall geben. Dabei werden unter anderem Hindernisse erstellt, so dass die Pferde selber aktiv werden müssen, um zu bestimmten Stellen zu kommen.

Wie Jourdain erzählt, sei Massai zunächst sein Pflegepferd und auch ein Problempferd gewesen. Aber gerade deswegen habe er ihn „total klasse“ gefunden und letztendlich gekauft. Jourdain ist gelernter Krankenpfleger. Wegen einer Allergie gegen Desinfektionsmittel absolvierte er dann eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Massai sei bereits etwa 23/24 Jahre alt gewesen, als er ihn bekam. „Nach 16 Jahren hatte ich keine Lust mehr, mit toten Gegenständen zu arbeiten. Der Kontakt zu Menschen war mir wichtig“, sagt Jourdain. Die Pferde hätten hier eine Brücke geschlagen.

Jourdain führte seine Arbeit mit Massai intensiv fort, nahm an Distanzritten teil und besuchte mit ihm Kurse. Dann kam der Tag, an dem Jourdain Zirkuslektionen kennenlernte und an Massai testete. Eine ungewöhnliche Figur brachte schließlich den Erfolg. „Ich war in der Lage, ihn auf den Rücken zu drehen“, sagt der 52-Jährige.

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Das Duo erlangte dadurch schnell einen hohen Bekanntheitsgrad. Dies führte dazu, dass Jourdain sich schließlich selbstständig machte.

Dabei seien Zirkuslektionen mehr als nur Showtricks, sagt er. So könne man mit ihnen Problempferden wieder das Vertrauen zum Menschen geben und bei gesundheitlich beeinträchtigten Pferden können sie zur Rekonvaleszenz beitragen und sogar Besserung hervorrufen. Auch der psychische Aspekt sei nicht zu unterschätzen, so Jourdain.

Im Januar 2013 ist Massai mit 44 Jahren gestorben. „Er war der beste Mentor, den ich mir wünschen konnte“, sagt Jourdain. Zirkuslektionen geben er und seine Partnerin immer noch. Neu im Programm ist therapeutisches Reiten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Therapiestationen. Mit Zirkuslektionen soll dabei ein Ausgleich für die Pferde erarbeitet werden. „Bei uns gibt es kein Schema F. Keine Stunde ist wie die andere. Der Unterricht ist immer individuell“, sagt Tetzlaff. Zuerst müsse aber immer das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd geklärt werden. Eine für Pferde verständliche Körpersprache sei wichtig.

Etwa 1000 Kunden werden im Jahr besucht. Mit einigen besteht ein familiäres Verhältnis. Herzlich seien aber auch die Saterländer. „Ihre Offenheit ist toll“, sind sich beide einig.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland