MONTRéAL - MONTRÉAL/DPA - Mark Warnecke hat sich mit 35 als ältester Weltmeister der Schwimmgeschichte verewigt – und sich in 27,63 Sekunden ein Denkmal gesetzt. „Wenn ich mal aufhöre, aber das dauert ja noch, dann wird das eine Medaille sein, auf die ich sehr stolz sein werde“, sagte Warnecke nach seinem Welt bewegenden Sprint über 50 Meter Brust in Montréal. „Es ist schön, ich freue mich sehr.“

Der Essener konnte sich vor lauter Kameras und Mikrofonen kaum retten. Die ganze Welt wollte den „Alterspräsidenten“ sprechen. Christa Thiel, Chefin des Deutschen Schwimm-Verbandes, fand es „sensationell“, für Cheftrainer Ralf Beckmann war es der „reine Wahnsinn, das überstrahlt alles“.

Arzt Warnecke war indes mehr mit der Analyse des Rennens beschäftigt. „Das war eine harte Kopfgeschichte“, stellte der Hobby-Rennfahrer fest, „ich denke, die Erfahrung hat mir den Sieg gebracht.“ Warnecke hatte im Regen von Montréal „die Kontrolle behalten“. Die Zeit war nicht gerade berauschend. „Ich konnte eigentlich nicht das umsetzen, was der Körper hergibt.“ Bei seinem deutschen Rekord (27,44) im Mai in Berlin war der 28fache deutsche Meister, der vor einem Jahr die Olympia-Qualifikation für Athen verpasste, deutlich schneller.

Als „ganz entscheidend“ bezeichnete er die Gewichtsabnahme. „Mit 16 Kilogramm mehr hätte ich hier gar nicht anzutreten brauchen“, stellte Warnecke fest. „Die Startblöcke werden ja auch immer zierlicher, da traue ich mich ja sonst gar nicht mehr rauf.“

Die zwölf und 13 Jahre jüngeren Mark Gangloff (USA/ 27,71) und Kosuke Kitajima (Japan/27,78), die sich mit Silber und Bronze begnügen mussten, waren chancenlos. Und sie müssen weiter mit dem „Oldie“ aus Deutschland rechnen. Trainer Horst Melzer ist in Gedanken schon bei Olympia 2008 in Peking: „Der Olympiasieg fehlt eigentlich noch.“ Jetzt gehe es darum, Beruf und Leistungssport vereinbar zu gestalten. Zwei Stunden und vier Kilometer im Wasser täglich reichten Warnecke für Gold.