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NWZonline.de Sport

Dopingjäger Juri Ganus: „Schuld liegt allein hier in Russland“

04.12.2019

Moskau Der Chef der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada), Juri Ganus, hat angesichts neuer drohender Sanktionen gegen sein Land tiefgreifende Reformen in der Moskauer Sportpolitik gefordert. „Insgesamt ist es so, dass einiges faul ist – und an vielen Stellen bei uns Sportfunktionäre ausgewechselt werden müssen“, sagte der 55-Jährige. In Russland müsse sich die „Kultur, die Weltanschauung“ ändern, damit der Kampf gegen Doping als erstrebenswert angesehen werde. Ganus erwartet, dass das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur am 9. Dezember in Lausanne neue Strafen gegen Russland verhängt.

Wegen der Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Analyselabor droht der Rusada eine neue Sperre. Zudem sollen Russlands Sportler bei den Olympischen Spielen 2020 und den Winterspielen 2022 nur als neutrale Athleten starten dürfen.

„Wir brauchen tiefgreifende Reformen“, sagte Ganus. Ob etwa der Leichtathletikverband Rusaf dazu in der Lage sei, bleibe abzuwarten. Dort werde nach dem Rücktritt von Chef Dmitri Schljachtin eine neue Führung gewählt. Ganus rechnet nicht mit schnellen Veränderungen beim Umgang mit dem Thema Doping: „Das dauert noch eine Generation.“

Von der Wada-Exekutive erwarte er keine Wunder. „Die Strafen sind wohl unausweichlich“, meinte er. Es habe ganz klar Manipulationen an alten Labordaten gegeben. Die Rusada habe damit aber nichts zu tun: „Ich hoffe, dass im Fall eines neuen Banns gegen Russland nicht die Sportler leiden müssen. Sie sind die Geiseln von Fehlern, die Sportfunktionäre verschuldet haben.“

Die Rusada hat sich seit dem Amtsantritt von Ganus nach seiner Darstellung völlig erneuert. Sie nutzt für die Doping-Tests demnach auch nur noch international anerkannte Labors im Ausland.

Der Rusada-Chef kritisierte eine mangelnde Unterstützung der Politik in Russland für die Reformen. Das schade dem Ruf des Landes. „Wenn ich ein Feind Russlands wäre, würde ich genauso handeln wie diese Leute, die mit Betrug den Ruf der stolzen Sportnation in den Schmutz ziehen“, meinte er.

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