MüNCHEN - Dürftige Ouvertüre, versöhnlicher Schlussakkord – der Deutschland-Achter hat bei der Ruder-WM in München für ein umjubeltes Finale gesorgt, aber den Deutschen Ruderverband (DRV) nicht vor einer historischen WM-Schlappe ohne Gold bewahrt. Begleitet von der frenetischen Unterstützung der 12 000 Zuschauer kam der Titelverteidiger um Schlagmann Bernd Heidicker (Wanne-Eickel) nach einem beherzten Rennen eine dreiviertel Bootslänge hinter WM-Favorit Kanada ins Ziel.
Den Verlust des Titels konnte Teammitglied Sebastian Schulte (Wiesbaden) verschmerzen: „Wir haben heute Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Das Getöse auf der Tribüne hat uns Flügel verliehen.“ Das ansehnliche WM-Finale konnte die angespannte Grundstimmung im deutschen Lager aber nur bedingt aufbessern. Mit der dürftigen Gesamtbilanz von drei Silber- und zwei Bronzemedaillen in den olympischen Klassen verspielte der DRV die große Chance, den Heimvorteil zur Werbung in eigener Sache zu nutzen. Erstmals seit Einführung der WM im Jahr 1962 stand kein Deutscher auf dem obersten Treppchen.
Nur die beachtliche Ausbeute bei der Olympia-Qualifikation spendete Trost: Immerhin zwölf von 14 Boote buchten auf direktem Weg die Tickets für Peking. „Das Ergebnis sollte nicht schlecht geredet werden. Dass Gold fehlte, war vor allem für die tollen Zuschauer schade. Vom nächsten Frühjahr an greifen wir wieder an“, stellte DRV-Sportdirektor Michael Müller Besserung in Aussicht.
Auch die Hoffnungen, dass der Achter wie schon bei der vorigen WM im letzten Rennen für einen Paukenschlag sorgen könnte, erfüllten sich nicht. Schon bei 1500 Metern waren die bärenstarken Kanadier um eine Bootslänge enteilt. In einem umkämpften Finish konnte der Angriff der aufkommenden Briten abgewehrt werden.
Schon am ersten Finaltag am Sonnabend hatte es nicht zu Gold gereicht: Ausgerechnet beim finalen Angriff auf die Skiff-Krone verließen Mitfavorit Marcel Hacker die Kräfte. Im Einer-Endlauf auf seiner Hausstrecke musste sich der 30-jährige Weltmeister von 2002 mit Rang fünf begnügen. „Ich habe Mist gebaut, dafür muss ich geradestehen. Das war nicht meine normale Leistung, ich habe den Heimvorteil verspielt“, klagte Hacker.
