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Vereinsleben Freie Lebensgestaltung hat Platz im Wald

Christian Korte

MUNDERLOH - Wer an einem schönen Tag in der Gegen des Plietenberger Moores in Munderloh spazieren geht, wundert sich vielleicht über plötzlich auftauchende hohe Wälle, die von drei Toren durchbrochen werden. Wer einen Blick über die Abgrenzung wagt, sieht einige Wohnwagen, mehrere kleine Gebäude – und vielleicht auch unbekleidete Menschen im Schwimmbad, beim Volleyball oder bei anderen Sportarten.

Anfänge im Jahr 1950

Der BFF, der Bund für Familiensport und Naturismus Oldenburg, hat seit 1959 seine Heimat in dem Waldstück bei Munderloh. Die Vorgeschichte des Vereins lässt sich bis zum Jahr 1950 zurückverfolgen. Eine kleine Gruppe von FKK-Anhängern gründete damals den „Bund für freie Lebensgestaltung“ und pachtete ein Gelände am Zwischenahner Meer. Lange Dauer war dieser Erstgründung aber nicht beschieden, denn 1955 verlor der Bund sein Gelände am Meer und nachdem der Mitgliederbestand stark geschrumpft war, löste sich der Verein auf.

Einige verbliebene Mitglieder fanden 1959 im Munderloher Wald ein geeignetes Grundstück und schlossen einen Pachtvertrag ab. Es folgte die Gründungsversammlung des nach Bremer Vorbild benannten „Bundes für naturnahe Lebensgestaltung Oldenburg“. 1961 musste der Verein noch einmal innerhalb des Waldgebietes umziehen. Das neue Stück Pachtland bildet bis heute den Kern des Vereinsgeländes.

Viel Eigenarbeit

In tausenden von Stunden an Eigenarbeit wurden die ersten Gebäude und Sportanlagen errichtet. Das Gelände musste im Erstausbau zunächst einmal eingezäunt und gesichert werden.

„Der Sichtschutz war vorgeschrieben, um in der damaligen, aus unserer heutigen Sicht doch sehr prüden Zeit, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses“, erzählt der Vorsitzende des Vereins, Jürgen Wagner.

Wasser wurde zunächst in Kanistern von zu Hause mitgebracht, später legten die Vereinsmitglieder einen eigenen Brunnen und konnten eine große Attraktion erbauen: Eine alte, gereinigte Benzintonne wurde auf einem Dreibein befestigt und mit einem Duschkopf und mit einer handbetriebenen Pumpe zur Wiederauffüllung versehen.

Jeder, der duschte, musste per Handpumpe seinen Verbrauch unmittelbar wieder auffüllen. An warmen Sommertagen, kurz vor dem allgemeinen Aufbruch nach Hause, setzte ein Ansturm auf die Dusche ein. Jeder wollte gerne das von der Sonne erwärmte Wasser genießen. Wer zu spät kam, musste dann aber mit zwölf Grad kaltem Grundwasser vorlieb nehmen.

Sport im Mittelpunkt

Heute hat das Gelände zwei Beach-Volleyball-Felder, Zwei Boule-Plätze mit je drei Feldern, es kann Tischtennis, Indiaca, Fußball und Basketball gespielt werden. Viele Mitglieder laufen gerne auf einem eigens angelegten Pfad rund um das Gelände – im Sommer ist das 16 mal 8 Meter große Schwimmbecken die Hauptattraktion, dienstags und sonnabends wird auch die Sauna angeheizt.

Im November 1972 fegte ein Jahrhundertsturm über Nordwestdeutschland hinweg und richtete ungeheure Schäden an. Auch das BFF-Gelände war betroffen, manchen Mitgliedern standen angesichts der Schäden die Tränen in den Augen.

Hieraus ergab sich aber auch die Chance, weitere Stellplätze einzurichten. Das Gelände wurde im Laufe der Jahre insgesamt dreimal vergrößert und ist heute 3,8 ha groß.

Gute Nachbarschaft

Auch wenn der BFF sich als Oldenburger Verein versteht, Kontakte zu den Nachbarn in Munderloh gibt es durchaus. Der Vorsitzende Jürgen Wagner gehört dem Orts- und Bürgerverein an – die Munderloher Vereine und die Gemeinde Hatten gratulierten am 23. August 2009 selbstverständlich zum „50. Geburtstag“ auf dem Vereinsgelände.

Dieses Jubiläum erlebten auch einige Familien mit, die seit den Gründerjahren zum Verein gehören. 130 Mitglieder zählt der BFF Oldenburg und kann, wie Jürgen Wagner sagt, diese Zahl seit einiger Zeit auch stabil halten.

Kinder, darauf legen die Vereinsmitglieder Wert, sind auf dem Gelände ausdrücklich willkommen. Hier sollen sie sich möglichst zwanglos und gefahrlos austoben können – die Mittagsruhe von 13 bis 14 Uhr gilt für ihre Spiele deshalb ausdrücklich nicht. Nicht ganz einfach ist es, die Kinder auch im Jugendalter weiter an den Verein zu binden. Mit der Kleiderordnung, so sagt Jürgen Wagner, nimmt es der BFF bei Jugendlichen deshalb nicht so genau – sie dürfen durchaus auch bekleidet auf dem Gelände sein.

Gäste sind willkommen

Gäste sind beim BFF jederzeit willkommen. Besonders in Holland scheinen sich die Vorzüge des Geländes herumgesprochen zu haben, viele Durchreisende bleiben länger als geplant.

Ruhe und Erholung, so sagt Jürgen Wagner, sollen beim BFF ebenso möglich sei wie sportliche Aktivitäten, einzeln, oder in Gemeinschaft mit Jung und Alt. Jedes Mitglied solle in Munderloh sagen können, „Hier habe ich Zeit für mich.“

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http://www.bff-oldenburg.de

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