Uttum - Deutschlandweit wird er bei Gleichgesinnten nur der „Murmel-Willi aus Uttum“ genannt. Gemeint damit ist Willi Schunke. Dass der 1. Vorsitzende vom SV Jennelt/Uttum von 1958 (JU58) und bis vor kurzem der Präsident im Deutschen Murmelrat einmal so bekannt unter den Murmel-Sportlern werden würde, damit hatte er selbst nicht gerechnet.
Acht Jahre lang seit 2015 hat Schunke die Geschicke der deutschlandweiten Murmel-Sportler als Präsident im Deutschen Murmelrat mitgestaltet. „Jetzt haben wir eine gemeinsame Satzung und ein Regelwerk, die für alle gelten“, sagt er. Daran muss hin und wieder gearbeitet werden, denn in den Spielen fallen manche Dinge auf, die im Regelwerk so vielleicht nicht vorkommen. Diese Arbeit hat ihm viel Spaß gemacht. Als Beispiel nennt er die Jugendteams. „Wir haben bei uns im Verein früh die Kinder mit einbezogen, mit sieben Jahren darf man spielen.“ Also hat JU58 auch ein Kinderteam zur Deutschen Meisterschaft (DM) gemeldet. „Da gab es große Bedenken.“ Am Ende landete das junge JU58-Team auf dem 3. Platz. Und mittlerweile haben viele Vereine Kindermannschaften aufgestellt.
Jetzt ist für den „Murmel-Willi“ aber Schluss. Denn Schunke ist der Meinung, dass Jüngere einmal den Vorsitz übernehmen sollten. „Es ist Zeit, den Staffelstab weiterzugeben“, sagte Schunke bei seiner Verabschiedung während der DM in Ludwigshafen. Stolz ist er auf die geleistete Arbeit im Vorstand. „Ich glaube, wir haben gemeinsam in den letzten Jahren den Murmelsport weiter entwickelt.“ Michael Groß vom SV Södel, der zusammen mit Tanja Ritter (Ludwigshafen) und Sandra Witte (Oldenburg) die Leitung kommissarisch übernimmt, entgegnete: „Willi, die ganze Murmelfamilie ist dir dankbar für die geleistete Arbeit, und wir hoffen, dich noch oft bei den Murmelrats-Sitzungen zu sehen.“
Das ist für Schunke Ehrensache. „Ich bleibe weiter dabei und werden auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Schließlich sind in den ganzen Jahren auch viele Freundschaften entstanden, die er nicht missen möchte. Und es ist deutschlandweit auch einiges in dieser nicht anerkannten Sportart entstanden. „2007, als wir unsere Sparte bei JU gründeten, waren wir in Niedersachsen die einzige Murmelsparte und bundesweit gab es vielleicht zehn, elf Vereine, die das Murmeln anboten.“ Jetzt sind es 21, davon in Niedersachsen mit JU58, Hinte Pilsum, Wirdum, Cirkwehrum und Pewsum alleine sechs Vereine, dazu kommen noch Middels, Sandhatten und Oldenburg. Bei dieser Aufzählung schwingt auch Stolz in Schunkes Stimme mit, denn JU58 hat den Weg dafür bereitet.
Davon war 2006 allerdings keine Rede. Als er seinen Mitglieder im kleinen ostfriesischen Dorf bei der Jahreshauptversammlung vorschlug, eine Murmelsparte aufzubauen, hatten die das anfangs für einen Scherz gehalten. Er selbst kam zum Murmelsport über eine Fernsehsendung. „SternTV berichtete über Erzgebirge Aue und ich dachte, die reden über Fußball und die 3. Liga, also kommt vielleicht auch Kickers Emden vor.“ Doch das Thema war Murmeln. Und Schunke nach der Ausstrahlung Feuer und Flamme.
Seine Mitglieder brauchten ein paar Tage, bevor sie die Idee doch charmant fanden. Eine Bahn entstand, eine Murmelarena und 2009 und 2011 gab es in Uttum die Deutschen Meisterschaften. Die Murmelarena in Uttum kann von Firmen, Kegelclubs, Nachbarschaftsgemeinschaften, Seniorenheimen und anderen Gemeinschaften gemietet werden. Was 2007 noch nicht abzusehen war: Wer jetzt noch einen Termin braucht, schaut in die Röhre. Die Vermietung brummt. Dazu gibt es Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, die zum Spielen vorbeikommen.
Dennoch drückt Schunke etwas der Schuh. „Wir bekommen für das Murmeln keine finanzielle Unterstützung vom Kreis- und Landessportbund, müssen also alles selbst aus der Vereinskasse finanzieren.“ Die ist zwar top, sagt Schunke, doch die Murmelarena und die Sitzplätze sind aus Holz. „Und das Holz ist leider abgängig.“ Der JU-Vorsitzende möchte gerne alles neu machen und dann aus Kunststoff. „Aber das kostet so zwischen 6000 und 7000 Euro.“ Schunke ist ein Macher, der eher im Hintergrund arbeitet. So gesehen wird er sicher etwas auf die Beine stellen, damit die Murmelarena von JU58 bald wieder in voller Pracht erstrahlt.
