Sandhatten - Schnipsen? Nicht empfehlenswert. Schieben? Nicht erlaubt. Wer unter Murmelsportlern etwas erreichen will, der muss die kleinen Glaskugeln mit gekrümmtem Zeigefinger anstoßen.
Ingrid Marten zeigt auf dem drei mal sechs Meter großen Spielfeld beim TV Sandhatten, worauf es bei der Sportvariante des Kinderspiels ankommt. Scheinbar mühelos kullert eine Murmeln nach der anderen in das wenige Zentimeter durchmessende Loch. Gewonnen hätte sie damit aber noch lange nicht. Von zwei Gegnern bekommt immer nur der den Punkt, der die letzte Kugel in das Loch befördert. „Die richtige Taktik ist ganz wichtig. Man muss aufpassen, dass der Gegenspieler zum Schluss nicht einfach leicht einlochen kann“, sagt sie.
Starke Ostfriesen
Ingrid Marten hat aufgepasst, genauso wie ihre drei Teamkollegen Edeltraud und Klaus Delias und Andreas Böschen. Gemeinsam sind die Sandhatter Murmelspieler vor wenigen Tagen Deutscher Mannschafts-Vizemeister geworden. In Södel bei Bad Nauheim fanden sie erst in der entscheidenden Finalpartie gegen die „Murmeltiere“ des TuS Hinte in einem dramatischen Stechen ihren Meister.
Wie stark die Ostfriesen aus Hinte waren, zeigt der Umstand, dass das Team im Turnier zuvor bereits die erste Mannschaft des SV Murmel 011 geschlagen hatte. Murmel 011 kommt auch aus der Gemeinde Hatten, ist 2011 und damit etwa zwei Jahre früher als die Abteilung des TV Sandhatten gegründet worden. Gemeinsam teilen sich alle Murmelsportler die drei Spielfelder, die am 25. Mai 2013 am Rande des Sandhatter Sportplatzes eingeweiht worden sind. Man kennt sich, schätzt sich und feiert auch zusammen.
Trainiert wird in Sandhatten auch, aber nicht so häufig. Einmal in der Woche vor Wettkämpfen, sonst eher einmal im Monat. Die Deutsche Meisterschaft war erst das dritte offizielle Turnier der noch jungen Sandhatter Abteilung. „Wir sind jetzt so etwas wie Shooting Stars“, ahnt Ingrid Marten. Worauf kommt es beim Wettkampfmurmeln neben der reinen Technik besonders an? „Nervenstärke“, sagt Edeltraud Delias spontan. Sie musste gleich mehrere Male ins Stechen, wo jeder Fehler über die ganze Partie entscheidet. Einmal sprang ihre Murmel in das Loch und gleich wieder heraus – bitter für sie und Glück für den Gegner. „Gegen Hinte war die Sache aber klar“, erkennt sie fair an.
Im nächsten Jahr werden Hattens Murmelsportler den Heimvorteil genießen können. Die Deutsche Meisterschaft, mittlerweile die 20. ihrer Art, findet am 18. Juli 2015 in Sandhatten statt.
Gesucht: Ziegelmehl
Doch bis dahin gilt es zumindest noch ein grundsätzliches Problem zu lösen. Das graue Stein-Sand-Gemisch, das auf den drei Spielfeldern liegt, ist nicht wirklich wettkampftauglich. Die Glasmurmeln holpern ziemlich über die Fläche. „Ziegelmehl. Wir brauchen etwa drei Kubikmeter feines Ziegelmehl“, schätzt Klaus Delias. Zum Kaufen für die kleine Abteilung etwas zu teuer. Deshalb hoffen die Murmler auf die Solidarität der Sportler, die mit größeren Kugeln punkten. Ziegelmehl liegt nämlich zuhauf auf Außentennisplätzen. Wer etwas davon, gerne auch gebraucht, abgeben möchte, kann sich unter
