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Darts-Wm Nach Finalgala ruft Regierungschef an

Thomas Weitekamp

London - Am Ende dieser schrillen, grellen und bierseligen Darts-Weltmeisterschaft gab es tatsächlich noch einen rührenden Moment im brodelnden „Ally Pally“. Die Bässe wummerten laut, als Michael van Gerwen den WM-Pokal entgegennahm, der Niederländer reckte ihn über seinen kantigen, kahlen Schädel, die Menge grölte – und diesem bulligen Star des einstigen Kneipensports standen die Tränen in den Augen.

Glücklicher Sieger

Mit bebender Stimme dankte „Mighty Mike“ seiner Frau und seiner Familie für „die großartige Unterstützung, ich bin so glücklich“, sagte er nach dem Sieg über Titelverteidiger Gary Anderson: „Das ist der wichtigste Pokal, das weiß jeder.“

Im Schnitt 1,48 Millionen TV-Zuschauer hatten das Match in Deutschland bei Sport 1 verfolgt, in der Spitze sogar 1,95 Millionen – ein Rekord. 410 000 Euro erhielt van Gerwen für den Triumph. Und wer immer noch nicht verstand, welche Bedeutung Darts mittlerweile hat, der wurde wenig später belehrt.

Die Sieger-Pressekonferenz lief, als van Gerwen plötzlich ein Handy auf das Podium gereicht bekam, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte war am Apparat. In einem einminütigen Gespräch gratulierte der mächtigste Mann des Landes am späten Montagabend dem besten Darts-Spieler der Welt.

Das ist Michael van Gerwen momentan ohne Zweifel. 2013 stand er bereits im WM-Finale, 2014 und nun 2017 holte er den Titel. „Dreimal im Finale“, sagte van Gerwen, „da muss man schon eine gewisse Klasse haben. Alle haben gesagt, dass ich einen zweiten Titel brauche, um ein Großer zu sein. Das habe ich heute geschafft.“

Mit dem Sieg im Alexandra Palace vergoldete der Weltranglistenerste sein herausragendes Jahr 2016, in dem er 25 Turniere gewonnen hatte. „Der Junge ist ganz gut“, sagte der unterlegene Schotte Anderson (46) mit reichlich Galgenhumor, „der wird mal ein Spitzenspieler.“

Längst trauen nicht wenige van Gerwen zu, in die Fußstapfen von Rekordweltmeister Phil Taylor (56) zu treten, den Sport noch deutlicher zu beherrschen, als der 16-malige Titelträger. Denn mit 27 Jahren steht van Gerwen am Anfang der Karriere, Taylor holte seinen ersten WM-Sieg im Alter von 29. Und zumindest gegenwärtig ist van Gerwen kaum zu schlagen, so, wie es einst für Taylor galt. Auch in den nächsten Jahren, wenn es rund um Weihnachten wieder laut wird im „Ally Pally“, dürfte der Niederländer als Favorit nach London reisen.

Auftritt in Düsseldorf

Und dazwischen verschwindet der Sport übrigens keineswegs in den Kneipen. Im Februar startet die Premier League der zehn Besten. Auch die ist ein TV-Event (Sport 1), und auch dort geht es immerhin um eine Siegprämie von mehr als 200 000 Euro. An diesem Samstag (20.15 Uhr/Pro 7) gastieren van Gerwen, Anderson, Taylor und einige andere Profis in Düsseldorf. Beim Promi-Darts werfen sie unter anderem mit Lothar Matthäus, Tim Wiese und Reiner Calmund Pfeile.

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