Oldenburg - Ihr drohte das viel zu frühe Karriereende, doch nun ist die ehemalige OTeV-Spielerin Vivian Heisen zurück: Nachdem sie aufgrund einer schweren Schienbeinverletzung eine quälend lange Zwangspause einlegen musste, hat die 20-Jährige inzwischen ihren ersten Auftritt auf nationaler Ebene hinter sich gebracht. Im westfälischen Halle erreichte die Wiefelstederin bei den mit insgesamt 5000 Euro€ Preisgeld dotierten „Gerry Weber Indoor-Open“ das Achtelfinale. In dieser Woche ist sie schon wieder auf ganz großer Tour. Am Mittwoch flog die Ammerländerin zu einem Weltranglisten-Turnier nach Dubai.
„Ich habe vier Super-Trainingswochen hinter mir – ich kann es kaum erwarten, bis die Quali in Dubai startet“, freut sich Heisen auf ihren Wiedereinstieg ins internationale Geschehen. Nach der Stippvisite in den Vereinigten Arabischen Emiraten geht es für zwei Wochen zu einem Turnier nach Sousse, einer Hafenstadt in Tunesien. Dass sie so schnell wieder durch die Tennis-Welt reisen würde, hätte sie vor Monaten nicht für möglich gehalten.
Starke Schmerzen
Rückblende: Nach ihrem Abitur an der Kooperativen Gesamtschule Rastede hatte die Wiefelstederin eine Profikarriere begonnen, die sie im September des vergangenen Jahres bis auf Platz 703 der Frauen-Weltrangliste führte. Zwischenzeitlich verlegte sie ihren Wohnsitz in die bayrische Landeshauptstadt, auch um dort für Iphitos München in der 2. Bundesliga aufschlagen zu können.
„Im Februar dieses Jahres erfolgte dann jedoch der unvorhersehbare Karriereknick“, erzählt Sven-Olaf Mayer, der die Ammerländerin als Trainer wie auch als Manager betreut: „Aufgrund einer schweren Schienbeinverletzung, die nur sehr schwierig zu diagnostizieren war, wurde Vivian gestoppt.“ Lange Zeit quälte sich die 20-Jährige im Training noch unter starken Schmerzen, da die Schwere der Verletzung nicht zu erkennen gewesen sei. „An Turniere für die Weltrangliste war nicht zu denken – und Stück für Stück wurde dann auch das Training auf ein Minimum reduziert“, blickt Mayer zurück.
Heisen kehrte in ihre Heimat nach Wiefelstede zurück, um dort auch den notwendigen Halt im Kreise der Familie und der Freunde finden zu können. Obwohl sie das Tennistraining nahezu auf Null heruntergefahren hatte, bestritt die Ammerländerin einige Zweitliga-Matches für Iphitos. Auch ein Weltranglistenturnier in Moskau verlief im Bezug auf die Ergebnisse durchaus positiv, doch die Schmerzen am verletzten Schienbein blieben.
Im Laufe des Sommers erfolgten weitere Untersuchungen, die Tenniskarriere stand mehrmals arg in Frage. Training war für die junge Sportlerin nur noch im Bereich Physiotherapie und Fitness möglich. In der Praxis für Physiotherapie von Dennis Thyen in Oldenburg fand sie einen kompetenten Partner. Auch mit dem in diesem Bereich tätigen Lauris Gruskevics, Leistungsträger der BTB Royals in der 1. Basketball-Regionalliga, arbeitet Heisen zusammen.
Zum Ende des Sommers erfolgte ein operativer Eingriff am Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus in Hamburg, bei dem ein Knochenödem und abgestorbenes Knochengewebe entfernt wurden. „Mit diesem Eingriff trat dann sehr schnell eine Besserung ein“, erklärt Mayer.
Im Aufbautraining ging es zunächst darum, Beweglichkeit, Muskulatur und Ausdauer zu verbessern. Nun allerdings nicht mehr im fernen München, sondern dort, wo alles einmal begonnen hatte – im heimischen Wiefelstede.
Tiefer Fall in Rangliste
Aufgrund der langen Pause erfolgte in der Weltrangliste der tiefe Fall auf eine Position um 1200, doch nun soll’s wieder bergauf gehen. Die Rückkehr auf die Frauentour steht an. In Halle ging es erst einmal um „ein erstes Herantasten an den eigenen Spielrhythmus“, erläutert Mayer. Im Erst-Runden-Spiel gegen Frederike Putthoff (Club zur Vahr) legte Heisen „eine gewisse Nervosität“ nach und nach ab. Die Ammerländerin gewann den ersten Durchgang mit 6:4 und durfte nach einem 6:2 im zweiten Spielabschnitt ihren ersten Sieg nach der so schwierigen Auszeit feiern.
Auch im Achtelfinale gegen Lisa Marie Mätschke (TC RW Wahlstedt) zeigte die 20-Jährige gute Ansätze, verlor das Duell aber knapp mit 3:6, 6:3 und 3:10. Es wurde deutlich, dass auf sie noch ein langer und intensiver Weg wartet.
Heimatgefühl
Auf die ersten internationalen Einsätze folgt eine Woche Training in Oldenburg, bevor es im Dezember zu den Deutschen Meisterschaften in Biberach (Baden-Württemberg) gehen soll. Aktuell spielt sie noch für Iphitos – bald soll ein Vereinswechsel anstehen.
Die Spielerin aus dem Ammerland ist sich sicher, dass für sie die ruhige und schwierige Zeit nun endgültig vorbei ist. Vivian Heisen will im Tennis wieder auf große Tour gehen – nun immer mit dem Gefühl, nach den Turnieren in ihre Heimat zurückzukehren. „Man merkt Vivi sehr an, dass sie sich zu Hause einfach sehr wohl fühlt“, meint Mayer und fügt hinzu: „Sie hat sich in kurzer Zeit ein Team um sich herum aufgebaut und braucht einfach die Nähe zu ihrer Familie und ihrem Freundeskreis.“
