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NWZonline.de Sport

Nach vielen Stürzen wächst Fahrer-Kritik

11.07.2017

Périgueux Knochenbrüche, Prellungen und jede Menge Blut auf dem Asphalt: Die 104. Tour de France zeigt sich immer mehr von ihrer brutalen Seite – und die Kritik an den Veranstaltern nimmt zu. Der Horror-Sturz von Richie Porte bei Tempo 80 am Sonntag war der negative Höhepunkt nach einer Reihe von schlimmen Stürzen bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Dass der australische Mitfavorit am Montag in Chambéry „nur“ mit einem Becken- und einem Schlüsselbeinbruch aufwachte, grenzt an ein Wunder.

„Es war sehr rutschig und ich denke die Veranstalter haben bekommen, was sie wollten“, klagte der Ire Daniel Martin die Tour-Organisatoren an. Der Teamkollege von Marcel Kittel war bei dem Horror-Crash von Porte am Sonntag mitgerissen worden, konnte die Etappe aber ohne schwerere Blessuren beenden. Kritik äußerte auch Weltmeister Tony Martin: „Wenn die Organisatoren ein bisschen an die Gesundheit der Fahrer denken würden, könnte man sich solche Abfahrten sparen.“ Er sei kein Freund von solchen Abfahrten, das könne man anders lösen. Das Risiko steige erheblich. Jedoch müsse man fairerweise sagen, dass das Wetter eine große Rolle gespielt habe.

Es war nicht der einzige schlimme Sturz bei dem zweifelhaften Spektakel am Sonntag mit drei Bergen der höchsten Kategorie. Fünf Fahrer mussten das Rennen beenden. „Rücksichtslos“, schrieb das Tour-Organ „L’Equipe“. Seit Jahren geht bei den Veranstaltern der Trend dahin, im Kampf um die Einschaltquoten eine immer noch größere Show zu bieten.

So wurden bei der Tour in der Vergangenheit auch Kopfsteinpflaster-Passagen aus dem Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix eingebaut. Beim Giro d’Italia wollte die Organisation den besten Abfahrer mit einem Preis belohnen. Erst nach heftiger Kritik aus dem Fahrerfeld wurde davon wieder Abstand genommen.

Die Fahrer machen bei der Aussicht auf Ruhm und große Verträge das Spiel mit und gehen an ihre Grenzen. Der französische Vorjahreszweite Romain Bardet legte die 13,3 Kilometer lange Abfahrt vom Mont du Chat mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 61,2 Stundenkilometern zurück.

Seit dem Start in Düsseldorf vergeht kaum ein Tag ohne schlimme Verletzungen. Alejandro Valverde hatte beim Zeitfahren im rheinischen Regen einen Kniescheibenbruch erlitten, der Spanier Ion Izagirre einen Lendenwirbelbruch. Ex-Weltmeister Mark Cavendish erlitt einen Schulterblattbruch.

Die Räder drehen sich aber weiter. Nur gut, dass bislang nichts Schlimmeres passiert ist. Seit dem tragischen Sturz des Italieners Fabio Casartelli im Jahr 1995 hatte die Tour kein Todesopfer mehr zu beklagen. Kaum zu glauben angesichts der dramatischen Stürze.

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