Harpstedt - Ganz entspannt kann Ole Volkmer sich in diesem Jahr auf das „Schiebenscheeten“, das Harpstedter Bürgerschützenfest freuen. „Viele von meinen Kumpels wollen in diesem Jahr Kinderkönig werden“, sagt der 13-Jährige. Für Ole hat sich dieser große Wunsch schon vor zwei Jahren erfüllt – er war damit der wahrscheinlich jüngste Kinderkönig. Erst im Jahr vorher war die Altersgrenze heruntergesetzt worden. Mit dem Lasergewehr durften auch schon Zehnjährige ihre Treffsicherheit testen. Auch damals hatte Ole schon teilgenommen, war mit einer Wertung von vier, vier und sechs Ringen aber nicht in die Nähe des Königsranges gekommen. Im Jahr darauf gelang ihm das mit neun, zehn und zehn Ringen auf Anhieb, nicht mal ins Umschießen, den Wettbewerb der punktgleichen Schützen musste er gehen. „Im ersten Moment kann man es gar nicht fassen“, sagt Ole über den Augenblick, als ihm klar wurde, dass er Kinderkönig ist. „Nachdem ich geschossen hatte, war noch 30 Minuten Zeit, trotzdem haben mir schon viele gratuliert. Das Einmarschieren und die Krönung ist dann schon ein tolles Erlebnis.“ Nicht ganz einfach war es für Ole, sich seine Königin auszusuchen. Eigentlich sollte Schwester Ann-Catrin das machen. „Die hat sich aber gedrückt“, sagt Ole. Also wählte Ole seine Klassenkameradin Madita Dutsch, wie er selbst aus dem zweiten Rott. Die Wahl war nicht ganz einfach, mindestens eine Klassenkameradin sei etwas beleidigt gewesen, erinnert sich Ole.
Überhaupt war die Kinderkönigswürde Thema in seiner Klasse am Gymnasium Wildeshausen – sogar einige Lehrer gratulierten.
Die gute Schießleistung, die Ole gezeigt hat, ist einerseits etwas überraschend – schließlich schießt der 13-jährige sonst nie, sein Sport ist der Fußball. Allerdings ist der ehemalige Kinderkönig familiär durchaus vorbelastet: Uropa Otto war Oberst, Opa Heinz war Schützenkönig und Offizier und auch Vater Bernd war König und ist wie sein Bruder Ralf Volkmer Offizier. Uropa Otto war es, der vor 29 Jahren die gestohlene Königkette nach langen „Lösegeldverhandlungen“ wieder zurück nach Harpstedt brachte.
Das Jahr über habe der Kinderschützenkönig kaum Verpflichtungen, berichtet Ole, auch für seinen Nachfolger Adrian Wessel werde es erst an den kommenden Pfingsttagen etwas anstrengender. Auch eine große finanzielle Belastung bedeute die Kinderkönigswürde nicht, sagt Vater Bernd Volkmer. Als die Königsscheibe am Haus der Volkmers aufgehängt wurde, gab’s Bratwurst und Getränke und auch beim Abholen des Kinderkönigs wird es Süßigkeiten und Getränke geben. Welche Runden darüber hinaus ausgegeben würden, stehe jedem frei.
Bei seiner Familiengeschichte ist klar, dass Ole sich mit dem Titel des Kinderschützenkönigs nicht zufrieden geben wird. Auf die Frage, wann er vorhat, Schützenkönig zu werden, lautet die Antwort ganz eindeutig: „Mit 21 Jahren darf man schießen, oder? Dann mit 21!“
