NAGANO - Erst strahlte sie mit dem Lorbeerkranz auf dem Kopf über ihr zweites Gold, dann genoss sie bei der Nationalhymne mit geschlossenen Augen den Augenblick: Mit ihrem elften Titel bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften hat sich Anni Friesinger am Sonntag zur neuen Eis-Königin gekrönt und das insgesamt 75. WM-Gold für Deutschland in der Eisschnelllauf-Geschichte erkämpft.

Durch ihren Sieg über 1000 Meter und ihre insgesamt 20. Medaille auf den Einzelstrecken (11/8/1) übernahm sie das Zepter von Jahrhundertläuferin Gunda Niemann-Stirnemann, die zuvor gleichfalls elf Titel und dreimal Silber gewonnen hatte.

Für eine Überraschung sorgten Marco Weber, Stefan Heythausen und Jörg Dallmann, die in der Mannschafts-Verfolgung mit Bron-ze die erste deutsche Männer-Medaille seit acht Jahren holten.

„Schön, schwer, krönt eine gute Saison“, fasste Friesinger ihr fantastisches Rennen zusammen, nachdem sie mit Bahnrekord in 1:15,37 Minuten die starke Kanadierin Kristina Groves (1:16,01) deutlich auf Platz zwei verwiesen hatte.

Friesinger avancierte mit ihrem Auftaktsieg über 1500 m zur erfolgreichste Läuferin der Titelkämpfe. Bei den Männern überragte wie schon im Vorjahr der Niederländer Sven Kramer mit drei Titeln und einmal Silber.

Wie 2007 in Salt Lake City dominierte Jenny Wolf den 500-m-Sprint nach Belieben. In 37,88 und 37,74 Sekunden stellte die 29-jährige Berlinerin zwei Bahnrekorde auf und hat nun auf allen Hallen-Bahnen die 38-Sekunden-Marke geknackt. „Es ist wie ein Traum. Meine bisherigen zwei Titel waren Überraschungen. Jetzt habe ich auch als Favoritin gewonnen und kann das nun viel besser genießen“, meinte die schnellste Frau der Welt.

Im Mannschftsrennen holten Daniela Anschütz-Thoms, Claudia Pechstein und Lucille Opitz ohne Zugpferd Anni Friesinger die Bronzemedaille.