NEERSTEDT - Die Chance auf den Titel in der Regionalliga will sich Malte Kasper nicht nehmen lassen. Mit vier Jahren begann seine Handballkarriere, in der es anfangs auch Tränen gab.

Von Fried-Michael Carl

NEERSTEDT - Wenn die fetzige Musik laut aus dem Zimmer von Malte Kasper dröhnt, ist dies ein untrügliches Zeichen, dass es nicht mehr lange dauert, bis er bei einem Spiel auflaufen wird. Heute Nachmittag werden die restlichen Familienmitglieder im Hause Kasper in Neerstedt ihre Ohren ganz besonders schützen müssen, denn für ihren Sohn steht das wichtigste Spiel der Saison an: Um 17.30 Uhr spielen Malte und seine Mitspieler des TV Neerstedt im „Endspiel“ der Regionalliga gegen den um einen Punkt besseren Tabellenführer SC Magdeburg.

„Leicht nervös und angespannt bin ich schon“, gestand der 19-jährige Kreisläufer des TVN schon im Verlauf der Woche ein. Schließlich habe er nicht alle Tage die Chance, sich den Titel in der Liga zu holen und sich damit gleichzeitig die Teilnahme an der DM seines Jahrgangs zu sichern. „Das wäre schon eine tolle Sache“, würde er sich darüber freuen. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass es ein ganz schön schweres Stück Arbeit wird. „Im Hinspiel hatten wir keine Chance“, gestand er freimütig ein. Im Rückspiel aber soll dies anders werden, gibt er sich entschlossen. „Wir müssen alle am Limit spielen, kämpfen und keinen Ball verloren geben“, redete er Klartext.

Und das nicht nur vor oder nach dem Spiel, sondern auch während der 60 Minuten. In der Abwehr ist er derjenige, der das Sagen hat. Kein Wunder, denn er arbeitet vorbildlich, kämpft um jeden Ball und hat immer den Sieg als Ziel.

Zuletzt musste Malte Kasper wiederholt seine Nebenspieler in der Deckung ermahnen, denn hier lief nicht alles nach Vorstellung des jungen Neerstedters und schon gar nicht nach der von Trainer Dirk Franke. Entsprechend waren die Trainingseinheiten der vergangenen Wochen. „Die Abwehrarbeit stand im Vordergrund“, erinnert sich Malte Kasper. Schließlich soll Magdeburg sich an der Defensive des TVN die Zähne ausbeißen. „Dafür müssen aber alle mitmachen“, fordert er seine Mitspieler auf, diese Chance beim Schopfe zu packen.

Handball wurde Malte Kasper quasi in die Wiege gelegt, denn die Eltern Frauke und Thorsten sind im positiven Sinne „handballverrückt“. Mit vier Jahren hat er bei den Minis begonnen. Kurze Abstecher zum Tischtennis und zum Schwimmen scheiterten, weil sie nicht mit dem Handballtraining zu vereinbaren waren. Als er zu Werner Lenzschau in die D-Jugend kam, war schnell klar, wo Maltes Zukunft beim Handball liegen würde: In der Abwehrmitte und am Kreis. „Dabei war ich zu der Zeit ein Weichei“, erinnert er sich nicht allzu gerne an die Zeiten zurück, in denen er Opfer erster harter Attacken wurde, die auch Tränen zur Folge hatten. Davon ist heute nichts mehr zu merken. Mit Köpereinsatz und viel Entschlossenheit agiert er am Kreis. „Je höher ich spielte, desto härter wurde es. Da musste ich einfach lernen, mich zu wehren“, schildert Kasper seinen Lernprozess. Entgegen kommt ihm zurzeit, dass er auch in der ersten Mannschaft gegen körperlich stärkere Gegner am Kreis spielt. „Das schult

gewaltig“, stellt er zufrieden fest, der den Körperkontakt mit dem Gegner aber braucht. „Das stimuliert“, zieht er daraus Stärke.

Verbessern, so meint der Kreisläufer des TVN, müsse er noch seine Beinarbeit. Auch das Zusammenspiel mit seinen Nebenspielern ist in seinen Augen noch verbesserungswürdig. Zwar würde er sich insbesondere in der Offensive schon fast blind mit seinen Kameraden verstehen. „Aber auch hier ist noch mehr möglich“, sieht er sich und das Team noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten. Vorausgesetzt, alle ziehen mit.

Trainer Dirk Franke hält viel von seinem Kreisläufer, der schon manchem Spieler der ersten Mannschaft den Schneid abkauft. „Er ist wie ein Stier, der manchmal das rote Tuch sieht“, beschreibt ihn Dirk Franke. Das ungestüme, übermotivierte Agieren müsse er noch abstellen, empfiehlt der Trainer, der den Kämpfer Malte als absolutes Vorbild für das Team schätzt.

Der Auszubildende zum KFZ-Mechatroniker hört dies ebenso gerne wie seine Musik. Und sollte er mit seiner Mannschaft heute Nachmittag wirklich gegen Magdeburg als Sieger vom Feld gehen, wird wohl zum ersten Mal im Hause Kasper auch nach dem Spiel seine laute Musik aus dem Zimmer des zweiten Sohnes dröhnen. Dagegen hätte dann wohl niemand etwas einzuwenden.