Neerstedt - Torsten Kasper, Betreuer des Handball-Oberligisten TV Neerstedt, hatte schon kurz vor der Begegnung gegen die HSG Schwanewede/Neuenkirchen so eine Vorahnung. „Bei den beiden Schiedsrichtern haben wir noch nie gut ausgesehen“, mutmaßte er, als Marcel Lichtenberg und Ralph Christian Schöttker die Halle betraten – und Kasper sollte Recht behalten. Denn mit zwei Roten Karten entschied das Schiedsrichtergespann die Begegnung maßgeblich mit, die Neerstedt am Samstagabend mit 31:32 (15:16) verlor.

„Es ist natürlich brutal, so knapp zu verlieren am Ende. Ich wusste, dass es doppelt so schwer werden würde wie am Mittwoch in Edewecht – und genauso ist es auch gekommen. Jetzt haben wir schwere Wochen vor uns und müssen nach vorne blicken. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie es besser werden soll. Wir haben noch lange nicht den Klassenerhalt geschafft“, sagte TVN-Trainer Jörg Rademacher nach der Partie.

Der TVN musste wieder einmal kurzfristig weitere Ausfälle verkraften. Jan Busse und Philipp Hollmann übernahmen die Positionen der verletzten Ole Goyert und Julian Hoffmann – ohne dabei aber wirklich überzeugen zu können. Besonders stark präsentierten sich dafür in der Offensive Eike Kolpack (8 Tore) und Andrej Kunz (10) aus dem Rückraum, die aus fast jeder Lage trafen. Neerstedt erwischte auch einen guten Start, erkämpfte sich eine 8:4-Führung (10. Minute). Diese war kurze Zeit später aber wieder auf ein Tor (9:8) zusammengeschmolzen.

Erster Knackpunkt: Bei einem Tempogegenstoß befand sich TVN-Keeper Hendrik Legler außerhalb des Torraums, der HSG-Angreifer blieb auf dem Boden liegen. Die Szene ließ sich auch nach Studieren des Videos nicht klar auflösen. In einer bis dahin absolut fairen Begegnung entschieden die Schiedsrichter auf Platzverweis (19.). Für Legler ging Lukas Oltmanns zwischen die Pfosten. „Lukas hat uns noch lange im Spiel gehalten, ansonsten hat es überall lichterloh gebrannt, wir hatten keine Stabilität mehr“, meinte Rademacher.

Im weiteren Spielverlauf wechselte die Führung hin und her. In der 44. Minute lagen die Gäste das einzige Mal mit zwei Toren vorne (25:23), dann hatte Neerstedt beim 27:26 (49.) wieder leichte Vorteile. In der Schlussphase gab es den zweiten Nackenschlag für die Neerstedter: In einem Zweikampf ging der Arm von Kapitän Björn Wolken in das Gesicht des Gegenspielers – Rote Karte (55.). Die HSG ging wieder in Führung und war auch am Ende knapp vorne. „Irgendwann kann man die Ausfälle nicht mehr ausgleichen. In der entscheidenden Phase waren wir einfach müde. Wir werden sehen, wie das in der Zukunft zu kompensieren ist“, sagte Rademacher.