NEUSüDENDE - „Mein erstes Auto war ein Polo mit 40 PS,Baujahr 1976, und ich bekam ihn am 20. Januar 1981. Es kostet etwa 6 000 DM und hatte zu dem Zeitpunkt einen Kilometerstand von 48 000. Da ich gerade eine Ausbildung zum Landwirt begonnen hatte und im 2. Lehrjahr nur 150 DM im Monat verdiente, bezahlten meine Eltern mir das Auto. Der gelbe Polo hatte kein Radio. So baute ich mir ein Blaupunkt-Radio mit fünf verchromten Stationstasten aus einem 280er Mercedes ein – welch ein Luxus. Etwas später kam noch ein Kassettenrecorder für 79 DM hinzu, um meine Lieblingsmusik „ACDC“ hören zu können. Zudem wurden noch dicke Lautsprecher auf die Abdeckung der Heckklappe montiert. Anfangs wurde noch so gefahren wie man es in der Fahrschule Bley gelernt hatte. Danach hieß es „Gummi“, so dass es zu mehreren kleinen und größeren Blechschäden gekommen ist. Der letzte stand mit 3 000 DM zu Buche, als ich die Wirkung des Aquaplaning unterschätzte. Glücklicherweise kamen nie
andere Personen oder Fahrzeuge zu Schaden. Mit dem eigenen Auto wurde auch der Diskothekenradius größer: Man fuhr nicht nur mehr zu Cramer nach Neusüdende oder zu zur Loye, sondern auch nach Eggeloge oder Zetel. Interessant waren auch die Touren zum Autokino nach Delmenhorst.
Und immer wieder war der kleine Polo im Einsatz, so fuhren wir mit neun Personen zur Disco nach Zetel. Die Jungs sitzend, während die Mädchen quer im Auto verteilt wurden.
Die härteste Tour aber war eine Fahrt nach Marseille am Mittelmeer. Damals wollten wir mit sechs Jungs ein paar Urlaubstage im Sauerland verbringen. Da es dort aber regnete, entschlossen wir uns, zum Bodensee zu fahren: Zu viert saßen wir im Polo, im 40-PS-Fiesta vom Kumpel Hillert saßen zwei, und hier war auch das Gepäck untergebracht. Auch am Bodensee gefiel es uns nicht. Also fuhren wir weiter auf der Autobahn Richtung Süden – ohne Landkarte. Nach zwei Tagen trafen wir am Mittelmeer in Marseille bei 45 Grad Celsius im Schatten ein. Übernachtet wurde im oder unterm Auto am Strand. Da wir weder französisch sprechen konnten noch genügend Geld dabei hatten, jeder von uns einen mächtigen Sonnenbrand hatte und uns die französische Küche nicht geheuer war, fuhren wir nach zwei Tagen wieder zurück nach Rastede. So hatte der Polo nach sechs Tagen über 4 000 km mehr auf dem Zähler.
Im September 1982 verkaufte ich den Polo mit einem Kilometerstand von 98 000 km. Er hatte in eineinhalb Jahren dreimal neue Vorderreifen bekommen, auch die Stoßdämpfer wurden zwischenzeitlich erneuert, da ich auch gerne einmal querfeldein gefahren bin. Technische Fehler hatte der Polo nie.“
