Wildeshausen - An diesem Freitag wird die neue Saison in der Fußball-Bundesliga angepfiffen. Benjamin Uyar vom Restaurant Zorbas in Wildeshausen hat die Hand aber schon an der Hosentasche. „Wenn Sky die Preise noch einmal erhöht, erhalten sie von uns die rote Karte. Dann würden wir kündigen.“ Noch hat der Familienbetrieb in der Westerstraße im Gegensatz zu anderen Gastronomen keine Post vom Bezahlsender bekommen.

Uyar kommt bei dem Thema schnell in Fahrt. „Warum müssen die Fußballer zehn Millionen Euro verdienen, zwei tun es doch auch.“ So viel könnten er und seine Familie gar nicht arbeiten, um die ständig steigenden Preise von Sky zu bezahlen. Derzeit seien es 220 Euro im Monat. Damit sei die Schmerzgrenze erreicht.

Für Toni Weiß von der Kneipe Smoky’s in der Huntestraße war die schon vor einem Jahr erreicht. „Ich habe jahrelang 300 Euro pro Monat bezahlt und sollte im vergangenen Sommer noch einmal mehr berappen. Doch da habe ich gekündigt.“ Gut frequentiert worden seien sowieso nur die Topspiele wie Werder gegen Bayern in der Bundesliga. In der Champions-League würden inzwischen ja viele Spiele frei empfangbar übertragen. Von daher lohne sich Sky für ihn nicht mehr.

Für Stefan Thuns von der Brasserie in der Westerstraße gehören Fußballübertragungen in der Gastronomie heute zum Geschäft. „Das ist Service“, sagt er. Er habe gerade eine leichte Erhöhung seiner beiden Abos für die Brasserie und das Werder-Bremen-Fanlokal Franziskaner erhalten. In der vergangenen Saison habe er 700 Euro pro Monat für beide Abos bezahlt.

Hinter vorgehaltener Hand spekulieren Wirte über die Motive von Sky. Der Verdacht: Es gehe darum, den Kneipen-Fußball zu verteuern, um lukrativere Privat-Abos an den Fan zu bringen. Das dementiert der Münchner Bezahlsender, der ohnehin nicht von Preiserhöhungen, sondern von „Anpassungen“ spricht. „Wenn unsere Produktionskosten steigen, müssen wir sie zumindest zum Teil auf unsere Kunden umlegen“, sagt eine Sprecherin.

Bislang zählte nur die Quadratmeterzahl für die Bemessung des Abo-Preises. In seinem neuen Geschäftsmodell mit sechs Preiskategorien bewertet Sky zudem die Kaufkraft der Region und die Nähe zu einem Bundesligisten. Deutschlandweit mache die Gastronomie mit Live-Fußball einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro im Jahr, argumentiert Sky. Umgerechnet auf einen Gast seien dies im Durchschnitt rund 18 Euro pro Übertragung.

Als „nicht mehr transparent“ bezeichnet auch Hildegard Kuhlen die Preispolitik des Senders. „Die Gastwirte können die ständigen Erhöhungen gar nicht mehr auf ihre Kunden umlegen“, kritisiert die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Weser-Ems. Gemeinsame Aktionen der Wirte im Nordwesten gebe es aber nicht. Trotz aller Proteste wird Sky weiterhin als Partner auf der Internetseite des Dehoga aufgeführt. Verbandsmitglieder, so heißt es, erhalten je nach Größe und Standort einen Rabatt in Höhe von 275 bis 800 Euro pro Jahr.

Einige Wirte in der Region setzen zudem auf eine individuelle Einigung und wollen – auch mit Blick auf die WM-Euphorie – aus Imagegründen nicht auf Fußball verzichten. Eines steht allerdings fest: Die Diskussionen werden in die Verlängerung gehen.

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Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg