Nordenham - Schlechtes Wetter hat am frühen Abend dazu geführt, dass Rettungswagen in einen Nachbarlandkreis abgezogen wurden. Folglich muss der Regelrettungsdienst im Landkreis Wesermarsch mit weniger Kräften zurecht kommen. Doch dann kommt es auch hier zu vermehrten Notrufen. Die Großleitstelle Oldenburg alarmiert daher um 18.54 Uhr zusätzliche Kräfte der Johanniter aus Nordenham und Varel hinzu. Wenig später ordnet der Lagedienst der Regionalbereitschaftsführung die Indienststellung der sonst ehrenamtlichen Wache in Nordenham als reguläre Rettungswache an.
Mit dieser Ausgangssituation aus dem Drehbuch startete Dienstagabend eine Einsatzübung mit insgesamt 29 beteiligten Johanniter-Helfern aus Nordenham und Varel. Wie dazu Markus Wedemeyer, Mitglied im Regionalvorstand der Johanniter Unfall-Hilfe Weser-Ems, weiter mitteilt, drehte sich diese Übung schwerpunktmäßig um die Abläufe im Wachenbetrieb sowie um Führungs- und Kommunikationsstrukturen.
Die insgesamt zehn Einsätze für zwei Rettungs- und zwei Krankentransportwagen im Stadtgebiet Nordenham boten zwar für die Sanitäter herausfordernde Notfallsimulationen, sollten aber vor allem Einsatzdruck erzeugen.
Ein Hausbrand im Stadtteil Esenshamm, ein alkoholisierter Mann auf offener Straße, Fehlalarme wegen banaler Beschwerden, aber auch der frische Herzinfarkt eines Autofahrers und der Sturz eines Radfahrers – immer wieder forderten die beiden Funker Niklas Renken und Dennis Weiß Fahrzeuge an der ehrenamtlichen Wache ab.
An insgesamt fünf Einsatzorten im Stadtgebiet standen bis zum Übungsende um kurz nach 22 Uhr Schauspieler und Ausbilder der Johanniter bereit, an einem davon war die Ortsfeuerwehr Esenshamm für das Training im Einsatz.
Ziel der Übung, die sich mit dem Namen „Alarmstufe III“ ans reale Alarmstufen-Modell des Regionalverbandes Weser-Ems anlehnte, war aber vorrangig, den provisorischen Wachenbetrieb und Kommunikationswege zu testen.
Die (teilweise frisch ausgebildeten) Gruppenführer mussten Schlafmöglichkeiten und Verpflegung in Dienst nehmen, sich aber auch mit Komplikationen wie Überforderung der Personalkapazitäten, defekten Fahrzeugen und Hilfeersuchen der Helfer im Einsatz bei renitenten Patienten beschäftigen.
Für die im Aufbau befindliche Betreuungsgruppe war es eine willkommene Gelegenheit, Abläufe der Helferunterbringung unter Echtzeitbedingungen zu testen. Reichen die Räume, stimmen die Abläufe, weiß jeder Helfer, was zu tun ist, wenn von den Sanitätern wegen eigener Einsätze niemand mit anfassen kann?
Die Frage, wie an ehrenamtlichen Standorten provisorische Rettungswachen eingerichtet werden können, wird sich künftig nicht nur für Nordenham stellen.
Noch bevor die Helfer-Feedbacks ausgewertet sind und die offizielle Übungsauswertung fertiggestellt ist, zog Gruppenführer Jens Merk dieses Fazit: „Alarmstufe III“ war ein wertvoller Abend.“
