NORDENHAM - NORDENHAM - Matthias Schneider nimmt die weiße Kugel ins Visier, die geradezu fordernd auf dem grünen Filz verharrt. Dann schießt der Queue nach vorne. Klack: Die blaue 10 rollt los und verschwindet in der Tasche. Die weiße Kugel bleibt liegen, als hätte ihr jemand ein Bremspedal eingebaut. „Das nennt man einen Stoppball“, erklärt Matthias Schneider, dem solche Stopbälle so leicht von der Hand gehen wie ein Fingerschnippen.
Matthias Schneider ist Leiter der Billard-Sparte im ESV Nordenham. Eine Abteilung, die in den vergangenen Jahren langsam, aber stetig gewachsen ist. „Billard ist mächtig im Kommen“, freut sich der Nordenhamer. Er glaubt, dass die zunehmende Präsenz im Fernsehen dazu beigetragen hat. Und von dem Trend profitiert auch die Billard-Abteilung des ESV. Zurzeit hat die Sparte 27 Mitglieder, acht von ihnen sind Jugendliche.
Es gibt nicht viele Vereine in Nordenham, die mit einer Mannschaft in der vierthöchsten deutschen Spielklasse vertreten sind. Die Erste Billard-Mannschaft des ESV spielt zurzeit in der Spitzengruppe der Regionalliga Ost. Der Aufstieg ist zwar nur noch theoretisch erreichbar, aber wenn das Team den angestrebten dritten Platz erreicht, ist das aller Ehren wert. Und eine Etage tiefer, in der Oberliga, schlägt sich auch die zweite ESV-Mannschaft wacker. Im nächsten Jahr will der Verein noch ein drittes Team ins Rennen schicken, um auch den Jugendlichen eine Chance zu geben, sich mit anderen zu messen.
Größter Erfolg des vergangenen Jahres war sicherlich die Landesmeisterschaft des Seniorenteams. Bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel schaffte es das Team bis ins Viertelfinale. Trotz dieser beachtlichen Leistungen: Die Billard-Abteilung des ESV hat sogar schon bessere Zeiten erlebt. Bis 1988 spielte die Erste Mannschaft in der Bundesliga. Aus dieser Zeit sind noch Hergen Wessels, Henry Kull und Meric Reshat aktiv. Meric Reshat ist mehrmals deutscher Meister als Einzelspieler gewesen – zuletzt 1993.
Allerdings lässt sich ein so hohes Niveau nur dann dauerhaft halten, wenn man täglich mehrere Stunden trainiert. Meric Reshat erinnert sich, wie er als Jugendlicher an manchen Tagen von 8 Uhr morgens bis spätabends am Billard-Tisch stand. Das geht heute nicht mehr.
Worauf kommt es an beim Billard? „Wichtig sind Ruhe, Konzentration und Nervenstärke“, sagt Matthias Schneider, der ein Billard-Spiel mit einer Schach-Partie vergleicht. „Mann muss eine Strategie haben.“ Es reiche nicht, die Kugeln zu versenken. „Der Spieler muss genau überlegen, wo die weiße Kugel liegen bleibt, damit er auch für den nächsten Stoß eine gute Position hat.“ Deshalb muss er die drei Grundtechniken beherrschen: den Stoppball, sowie den Mit- und den Rückläufer, bei der die Kugel nach der Karambolage entweder in Stoßrichtung weiter- oder zurückrollt. Den guten Billardspieler zeichnet also neben der Konzentrationsfähigkeit eine Mischung aus technischem und strategischem Können aus.
Um diese Fähigkeiten zu erlernen, stehen den Queue-Künstlern des ESV im Mehrzweckhaus des Vereins vier Pool-Billard-Tische zur Verfügung. Hinzu kommt noch ein Snooker-Tisch. Snooker ist die englische Variante des Billard. Der Tisch ist größer, die Kugeln kleiner. In den Punktspielen werden allerdings keine Snooker-Partien ausgetragen. „Das machen wir nur nebenbei“, sagt der Spartenleiter.
1984 gegründet
