NORDENHAM - NORDENHAM - Die Atenser Turnhalle ist vom Rhythmus der Discomusik erfüllt, die aus dem tragbaren CD-Player kommt. Übungsleiterin Cornelia Marsall nimmt den Takt auf, und die Frauen aus dem Kursus „Fit und Fun“ machen es ihr nach. In diesem Moment denkt keine von ihnen an einen Pfarrer und Naturheiler aus dem 19. Jahrhundert. Und doch hat Sebastian Kneipp auch an diesem Montagabend seine Finger im Spiel. Denn auf die Lehre dieses Mannes geht letztlich alles zurück, was der Kneippverein Nordenham anbietet.
„Die Lehre von Kneipp ist moderner denn je“, sagt Gerold Barre, der dem Verein seit 1980 vorsitzt und zugleich auch Chef des Landesverbandes ist. Seine Frau Christel Barre war lange Zeit stellvertretende Vorsitzende. Heute ist sie ehrenamtliche Geschäftsführerin und auch als Kursleiterin im Einsatz. Für das Ehepaar ist der Kneippverein viel mehr als nur ein Hobby. Gerold Barre, der keine halben Sachen mag, sagt: „Der Kneippverein ist mein Baby“.
Für ihn und seine Frau ist Kneipp heute so modern wie nie zuvor. Vor allem deshalb, weil er schon vor 150 Jahren den Menschen als Ganzes gesehen hat. „Wir sind nicht nur Wassertreter“, sagt Christel Barre. Wasser ist nur eines von fünf Kneipp-Elementen. Hinzu kommen Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung (siehe Bericht unten). Der Kneippverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Aufgabenfelder immer wieder aufs Neue mit Leben zu füllen. Und Gerold Barre ist sich im Klaren darüber, dass der Verein in einem unüberschaubar gewordenen Markt an Gesundheits- und Bewegungsangeboten immer „up to date“ sein muss, ohne dabei jedem Trend hinterherzulaufen.
Ein Blick in das ständige Angebot zeigt, dass der Verein auch für junge Menschen viel zu bieten hat. Das Programm reicht von „Fit und Fun“ bis zum Aqua-Jogging. Die Kurse, die auch Nichtmitgliedern offen stehen, reichen von Nordic Walking bis zu BMW (Bauch muss weg) für Männer. Entspannung und Yoga wird angeboten, es gibt Vorträge zum Thema Fasten, gemeinsame Ausflüge, Reisen, Wanderungen und vieles mehr.
Der Kneippverein Nordenham wurde 1959 gegründet. Über die Anfagszeit kann Gerold Barre nicht viel sagen, weil kaum noch Dokumente aus der damaligen Zeit existieren. Er weiß jedoch, dass 17 Männer und Frauen den Verein ins Leben riefen, der sich zunächst darauf beschränkte Vortragsveranstaltungen zu organisieren. Später kam eine kleine Gymnastikgruppe dazu. Zwei Jahre nachdem Gerold Barre und seine Frau eintraten, fanden sie sich auch schon im Vorstand wieder. Damals hatte der Verein 80 Mitglieder. Heute ist er auf 425 angewachsen. Die Mehrzahl von ihnen sind zwischen 40 und 60 Jahren alt.
An die Kneippsche Lehre werden inzwischen aber auch schon die Jüngsten herangeführt. Seit zwei Jahren arbeitet der Verein mit dem Kindergarten St. Willehad zusammen. Zwei Erzieherinnen des Hauses haben ein Kneipp-Seminar belegt. Anschließend wurden in Absprache mit den Eltern Elemente der Kneippschen Lehre in den Kindergarten-Alltag integriert. Unter anderem wurde ein Beet mit Kräutern und Heilpflanzen angelegt. Wie Gerold Barre mitteilt, machen die Kinder erste Erfahrungen im Wassertreten, es gibt einen Entspannungsraum und das gesunde Frühstück gehört längst zur Tagesordnung. Nach den Worten des Vorsitzenden sind Eltern und Erzieherinnen hellauf begeistert. Und Gerold Barre hofft, dass sich die Kinder irgendwann an ihre erste Erfahrungen mit Kneipp erinnern. „Die Kinder“, sagt er, „sind schließlich das Potenzial von morgen.“
17 Männer und Frauen legten den Grundstein des Vereins
