NORDENHAM - Kochshows laufen auf fast jedem Kanal. Auch die Nordenhamer wissen die Schmackhaftigkeit eines selbst zubereiteten Mahls zu schätzen. Von Manon Garms
„Die Kochprofis – Einsatz am Herd“, „Schuhbecks Kochschule“, „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ – die Liste der Kochsendungen, die zurzeit auf vielen TV-Kanälen laufen, ließe sich noch um einige Zeilen fortsetzen. Haben berühmte Köche wie Tim Mälzer und Alfons Schuhbeck den Trend zum schnellen Fertiggericht gebremst?
„Die Leute gehen wieder mehr zum Selbstgemachten über“, sagt Nicole Köhn, Mitarbeiterin der Buchhandlung von Bestenbostel. Besonders die Bücher von Tim Mälzer kommen bei den Kunden gut an. „Er ist sehr bodenständig und kocht gut nachvollziehbare Gerichte“, weiß die Buchhändlerin. Ein solcher Erfolg ist jedoch nicht allen Büchern beschieden, die zeitgleich zur entsprechenden Show auf den Markt kommen. „Viele Kochsendungen sind zu exotisch, und die für die Rezepte notwendigen Gewürze sind in Nordenham nicht zu bekommen“, sagt Nicole Köhn. Sehr beliebt sind hingegen Kochbücher mit norddeutschen Rezepten.
Auch die Buchhandlung Grüttefien verkauft viele Kochbücher. „Zu uns kommen auch mal Eltern, deren Sohn ausziehen will. Sie möchten dann ein einfaches Kochbuch haben, damit er sich allein etwas kochen kann“, erzählt Buchhändlerin Nina Haase. Sie selbst guckt übrigens regelmäßig die Sendung von Tim Mälzer: „Ich finde ihn frech und witzig, da macht Kochen Spaß“, sagt sie.
Was Kochkurse angeht, tendieren die Nordenhamer doch eher zu exotischen Angeboten. „Klassische Kurse sind nicht mehr gefragt. Beliebt sind Spezialthemen wie Fingerfood oder Kochen mit dem Wok“, sagt Dr. Renate Gall von der Kreisvolkshochschule Wesermarsch. Allerdings scheinen die Kochshows auch dort Spuren hinterlassen zu haben. „Kollegen von anderen Volkshochschulen haben berichtet, dass viele Leute in den Kursen nicht mehr selbst kochen, sondern den Dozenten einfach nur beim Zubereiten der Speisen zugucken wollen“, erzählt sie. An der KVHS Wesermarsch soll es jedoch dabei bleiben, dass die Kursteilnehmer mitkochen.
Nur zuzugucken kommt für Marlis Heeren und Gudrun Repert ganz bestimmt nicht in Frage. Die beiden Nordenhamerinnen kochen gern und treffen sich in ihrer Freizeit häufig mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter, um ihrer Leidenschaft gemeinsam nachzugehen. „In unserer Gruppe kochen wir keine Hausmannskost, es soll dann schon etwas Besonderes sein“, sagt Gudrun Repert. Nach etwas Besonderem klingen auch ihre Rezepte: Seezunge mit Erdbeersoße und Spargel mit Scampi aus der Papierhülle sind nur zwei Beispiele für die außergewöhnlichen Kochkünste der Freunde. Es bleibt auch nicht beim Hauptgericht: „Wir bereiten meist drei bis vier Gänge zu, also zum Beispiel Salat, Suppe, Hauptgang und Nachtisch“, erzählt Marlis Heeren.
„Viele Leute haben kaum Zeit und kochen nur, weil sie etwas essen müssen. Wir nehmen uns die Zeit zum Kochen“, sagt Gudrun Repert.
Bei den
Kochkursen geht der Trend zur Exotik
