NORDENHAM - NORDENHAM - Ein herrlicher Sommertag war das gestern mit Country-Musik, selbst gebackenem Kuchen, Bratwurst und Fußball. Man hätte sich auf der Fete eines Sportvereins wähnen können, wären da nicht die Zäune und die Gefängnismauern gewesen. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Nordenham war gestern Sportfest. Jedes Jahr findet diese Fete statt. Und die Zusammensetzung der Teilnehmer ist alles andere als gewöhnlich: Richter, Anwälte, Vollzugsbeamte, Polizisten und Strafgefangene feiern gemeinsam.
Im Mittelpunkt stand gestern wieder ein Fußball-Turnier. Vier Mannschaften traten gegeneinander an. Häftlinge aus Nordenham und Wilhelmshaven, darunter keineswegs nur kleine Fische, ein Team des Amtsgerichts und eine Mannschaft der JVA-Bediensteten. Fair ging’s zu – wie immer. Nicht selten bekommen es Gefangene auf dem Platz mit Richtern zu tun, von denen sie hinter schwedische Gardinen geschickt wurden. Beim Sport ist das aber vergessen. Schiedsrichter Fritz Wieting, der schon oft als Unparteiischer dabei war, musste noch nie eine Rote Karte zeigen.
Zu den Gästen gehörte auch Inge Rzepucha-Sobotta, die stellvertretende Leiterin der JVA Oldenburg. Sie freute sich einmal mehr über die tolle Atmosphäre. Die Organisation sei größtenteils Sache der Gefangenen gewesen. 44 Männer und sechs Frauen sind in Nordenham inhaftiert. Alle haben angepackt. Der Sport ist aus der Sicht von Inge Rzepucha-Sobotta eine gute Möglichkeit, um „kriminelle Energien zu kanalisieren“. Aus diesem Grund genehmigt die JVA Freigängern auch Sonderausgang, damit sie im Sportverein trainieren und spielen können – unter anderem im SV Nordenham „Der Verein bietet die Chance, Gefangene in die Gesellschaft zu integrieren.“
Die Möglichkeit, an dem Sommerfest teilzunehmen, haben freilich nur diejenigen, die durch einwandfreies Verhalten in Vorleistung treten. Aber die Gelegenheit, ein wenig von jener Normalität zu genießen, die außerhalb der Gefängnismauern selbstverständlich ist, lässt sich kaum einer entgehen.
Die Idee zu der Sommerparty hatte in den Neunzigerjahren der Gefängnisseelsorger Helmut Harms. Er hält es für gut, dass die Gefangenen diese Form der Geselligkeit erleben können. „Wichtig ist, dass sie in die Planung einbezogen werden“, sagt Harms, der sich Jahr für Jahr auf die Veranstaltung freut.
Möglichkeit, um kriminelle
Energien
zu kanalisieren
