NORDENHAM - NORDENHAM - Das Klickerklacker hat zwei Handball-Knirpse neugierig gemacht, die in der Halle nebenan ihr Training beendet haben. Etwas unsicher tapsen sie in die Richtung, aus der das Geräusch kommt. Klickerklacker. Die Jungs strecken ihre Köpfe durch die Tür und blinzeln in den Kraftraum der Sporthalle Mitte. Dann machen sie große Augen. Kerzengerade, als hätten sie Besenstiele statt Wirbelsäulen, scheinen zwölf Frauen über das Parkett zu schweben. Die Arme sind angelegt, die Köpfe fixiert, die Knie locker. Die typische Haltung des irischen Stepptanzes erweckt den Eindruck der Schwerelosigkeit. Manchmal sieht es aus, als würde über der fröhlichen Formation ein unsichtbarer Puppenspieler gleichzeitig an zwölf Fäden ziehen.
Die Jungs staunen, und dann gehen sie duschen. Das Klickerklacker unterbricht Olga Deutsch. Die 47-jährige Russin leitet seit einem Jahr die Stepptanzgruppe des „Vital-Gyms“ im SV Nordenham. Mit einer Hand voll Frauen und Mädchen ist sie angefangen. Inzwischen ist die Gruppe auf ein Dutzend Tänzerinnen angewachsen. Und ihren ersten Auftritt hat sie auch schon absolviert – beim Sportlerball des SVN. „Diese Präsentation“, sagt die stets lächelnde Russin in gebrochenem Deutsch, „ist sehr gut angekommen.“
Wer an Stepptanz denkt, der denkt an die amerikanischen Superstars Fred Astaire und Ginger Rogers oder an „Riverdance“, die irische Show, die den Stepptanz in den Neunzigern wieder populär gemacht hat. Olga Deutsch ist weder in Irland noch in Amerika aufgewachsen. Sie ist vor fünf Jahren aus Sibirien nach Deutschland gekommen. In der Nähe von Irkutsk hat sie als professionelle Choreografin in einem Kulturzentrum gearbeitet. Vorher war sie Profitänzerin. Studiert hat Olga Deutsch in Omsk – Ökonomie und Ballett.
Stepptanz stand damals nicht auf dem Lehrplan. Deshalb hat die 47-Jährige eine Weiterbildung in Oldenburg besucht und sich Videos angeschaut. Die klassische Ausbildung kommt ihr natürlich zugute, wenn sie mit den Frauen und Mädchen die Schritte einübt. Da wird kein Klick und kein Klack dem Zufall überlassen. Locker in den Knien und im Fußgelenk zu bleiben – das ist wichtig, sonst klappt‘s nicht mit den Schritten. Auf die Koordination kommt‘s an. Und aufs Rhythmusgefühl. Stepptanz ist ein anspruchsvoller Sport.
„Aber er macht wahnsinnig viel Spaß“, sagt Margareta Kreiff, genannt Matze, die von Anfang an dabei ist. „Ich habe ,Riverdance‘ gesehen, und dann wusste ich: Das muss ich auch machen.“ Nach einem Stepptanz-Kursus in der Nähe suchte sie aber lange vergeblich. Deshalb wurde sie sofort hellhörig, als sie vom Angebot des SVN erfuhr.
Beim Training geht es immer vergnügt zu. Jetzt kommt Jazzmusik aus den Lautsprecherboxen der Stereoanlage. Ein Trommelsolo. American Step. Es wird gelacht und gescherzt. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 13 und 50 Jahre alt. Die Stimmung ist prima. Klickerklacker. Das Geräusch kommt von den Aluminiumplatten unter den Steppschuhen, die ab 50 Euro zu haben sind. Die Ferse für das tiefe Klack, der Ballen für das hohe Klick. Es gibt kaum einen Sport, in dem Musik und Bewegung so miteinander verschmelzen. Vielleicht macht gerade das den Reiz aus.
Anfänger-Kursus Startet am 7. März
