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Taekwondo In Dublin auf Medaillenjagd

Nordenham - Wenn Menschen verreisen, zermartern sie sich vorher oftmals tagelang den Kopf darüber, was sie alles in ihren Koffer packen müssen. Bei Maira Gloystein wird es an diesem Wochenende ähnlich sein. Aber die 16-Jährige denkt auch schon darüber nach, was sie von ihrer Reise mit nach Hause bringen kann. Die Sportlerin vom SV Nordenham tritt in der kommenden Woche im irischen Dublin bei der Weltmeisterschaft der Internationalen Taekwondo-Federation an. Klar wäre es schön, wenn sie den Rückflug mit einer Medaille im Gepäck antreten könnte. Schließlich ist sie eine Wettkämpferin. Aber sie hat noch etwas anderes im Sinn: Unter den befreundeten Kämpferinnen und Kämpfern sei es üblich, die Doboks, also die Taekwondo-Anzüge, auszutauschen, sagt ihr Vater Michael (51). „Einen irischen habe ich schon“, sagt Maira. Ihr Blick verrät, dass ihr kaum etwas anderes eine größere Freude machen würde, als weitere Doboks mitzubringen.

Riesige Freude

Es gibt Sportlerinnen, die konzentrieren sich ausschließlich auf ihre Wettkämpfe und blenden alles andere aus, um ihre Bestleistung abrufen zu können. Und dann gibt es die, die auch das Drumherum aufsaugen und daraus einen Teil ihrer Kraft beziehen. Beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung. Es gibt kein Falsch und kein Richtig. Maira gehört also zur zweiten Gruppe. Sie freut sich riesig darauf, die Sportlerinnen und Sportler aus anderen Nationen wiederzutreffen. In den vergangenen Jahren hat sie schließlich viele Freundschaften geschlossen. „So häufig trifft man sich ja nicht. Wir haben uns schon geschrieben“, sagt sie. „Und wir werden wieder viele, viele Fotos machen und diese austauschen.“

Mairas Vater reist als Betreuer mit. Auch er kann’s kaum erwarten, alte Bekannte zu sehen. Besonders freut er sich auf das Wiedesehen mit einem russischen Trainer. „Wir sprechen zwar nicht dieselbe Sprache, verstehen uns aber super“, sagt er, lacht und erzählt, dass er seinem Freund auch ein kleines Geschenk mitbringen wird.

Bei aller zwischenmenschlichen Wärme: Im Mittelpunkt stehen in der kommenden Woche selbstredend Mairas Wettkämpfe. Sie hat schon an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teilgenommen und wird in Dublin sechs Mal um WM-Medaillen kämpfen. Sie tritt in der Altersklasse der Juniorinnen im Tul (Formenlauf), im Kampf und im Spezialbruchtest sowohl im Einzel als auch im Team an. Im Tul ist der Dan ausschlaggebendend für die Kategorie, im Kampf das Gewicht. Maira hat den 1. Dan und tritt in der Klasse der bis zu 50 Kilogramm schweren Kämpferinnen an.

Sie trifft im Tul im Einzel in der ersten Runde auf die russische Kämpferin Emiliya Kaparova. Im Kampf geht’s gegen Paola Robles aus Puerto Rico. Im Spezialbruchtest ist sie eine von 40 Sportlerinnen. Im Team-Tul treffen die deutschen Kämpferinnen zunächst auf den Sieger des Duells Russland gegen Polen. Im Kampf messen sie sich mit Argentinien.

Zusammen mit ihrem Trainer Markus Waibel hat Maira in den vergangenen Monaten an ihrem Kampfstil gefeilt – und ihn ein wenig verändert. „Ihre Techniken sind jetzt stimmiger“, sagt Michael Gloystein. Außerdem kämpfe sie jetzt mit mehr Taktik, sagt sie selbst. Sie habe gelernt, sich besser auf die Gegnerin einzustimmen und auf sie zu reagieren. „Außerdem schaue ich jetzt schon mal häufiger auf die Punktetafel“, sagt sie.

Keine Zielvorgaben

Von konkreten Zielvorgaben sieht sie ab. „Alle Kämpferinnen und Kämpfer, die zu einer Weltmeisterschaft fahren, haben die Hoffnung, eine Medaille zu gewinnen“, sagt sie. Ob das dann auch klappe, hänge von vielen Faktoren ab. „Welche Tagesform habe ich? Wie gut sind die Gegner drauf?“ Die Chance, Edelmetall mitzunehmen, sei jedenfalls da, meint sie. „Ich hoffe nur, dass meine Achillessehne auch mitmacht.“

Die ist nämlich ein wenig überreizt. Deshalb hat Maira das Training zuletzt gedrosselt und die Teilnahme an den ITF-Landesmeisterschaften in Nordrhein-Westfalen nach Rücksprache mit dem Bundestrainer Harry Vones abgesagt. Beim vorletzten Kadertraining am vergangenen Wochenende erhöhte sie die Belastung dann wieder ein wenig. „Der erste Tag war schwierig. Am zweiten Tag ging’s“, sagt sie.

Eine Sache hat sie sich für diese Titelkämpfe aber doch fest vorgenommen. „Ich möchte auf alle Fälle offener an meine Aufgaben herangehen als bisher und mir nicht soviel Stress machen“, sagt sie und schildert dann ein Problem, das viele Spitzensportler bei großen Herausforderungen piesackt. Sie sei in der Vergangenheit oftmals nicht frei im Kopf gewesen. „Man weiß genau, was man kann. Aber dann macht man sich plötzlich so viele Gedanken darüber, was alles passieren könnte, dass man sich selbst einschränkt. Man ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist.“ Druck von Außen gibt’s laut Vater Michael jedenfalls nicht. „Wir gehen die Sache locker an und werden sehen, was in Dublin möglich ist“, sagt er.

1144 Sportlerinnen und Sportler aus 59 Nationen werden in Dublin starten. An diesem Samstag und Sonntag steigen für die 36 Kämpferinnen und Kämpfer des deutschen Nationalkaders die letzten Trainingseinheiten in Leverkusen und Monheim. Am Montag fliegen die Gloysteins von Köln aus nach Dublin. Dort wird am Dienstag alles Administrative abgewickelt – dazu gehört zum Beispiel das Wiegen der Athleten. Von Mittwoch bis Sonntag geht es um Medaillen, am 16. Oktober zurück nach Deutschland.

Wolfgang Grave
Wolfgang Grave Redaktion Nordenham (Lokalsport)
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