Nordenham/Wesermarsch - Vielen Tennistrainern fehlt wegen der Coronakrise zurzeit die wichtigste und einzige Einnahmequelle. Schließlich arbeiten sie häufig hauptamtlich. „Ein Tennistrainer wird nur bezahlt, wenn er auf dem Platz steht“, sagt Andreas Waller, der Trainer beim SV Nordenham ist.
Waller verdeutlicht, wie tief der wirtschaftliche Einschnitt für ihn ist. Als Honorartrainer, der Verträge mit den Vereinen abschließe, brechen ihm nach eigenen Angaben 50 Prozent der Einnahmen weg.
Allerdings habe er noch Glück. Schließlich arbeite er auch noch in Bremerhaven an der Schule am Leher Markt als Sportlehrer. „Dort habe ich noch eine halbe Stelle.“
Jens Kuhle ist Leiter der Tennisschule JCK und Regionstrainer der Tennisregion Jade-Weser-Hunte. Als zweiter hauptamtlicher Trainer in seiner Tennisschule arbeitet Robert Helek, der für den Trainingsbetrieb beim TK Nordenham verantwortlich ist. Jens Kuhle sagt, dass es nicht leicht sei, wenn man einmal auf null fahre. „Wir können die Ausfälle einige Zeit verkraften. Sollte sich die Pause länger hinziehen, könnte es ein großes Problem geben.“ Waller sieht das ähnlich.
Turniere abgesagt
Der Tennisverband Niedersachsen Bremen (TNB) hat Ende der vergangenen Woche den Punktspielbetrieb bis zum 30. April ausgesetzt und alle Regionsmeisterschaften abgesagt. Das gilt auch für die Turniere in Verantwortung des TNB – bis zum 30. April.
Das Regionstraining wird bis zum 18. April ausgesetzt. Der Verband empfiehlt allen Veranstaltern dringend, sämtliche LK- und Ranglisten-Turnieren bis aus Weiteres abzusagen.
Jens Kuhle erinnert sich an das bisher letzte Training in diesem Jahr. Es sei mit den nötigen Sicherheitsmaßnahmen geleitet worden, sagt er. „Wir waren da sehr feinfühlig und dachten, dass der Tennissport nicht so risikobehaftet ist.“ Als es hieß, dass der Trainingsbetrieb eingestellt werden müsse, sei das für ihn schon ein wenig überraschend gewesen.
Eine ähnliche Erfahrung machte Andreas Waller beim SVN. „Wir haben zunächst gedacht, dass die Situation im Tennis ein bisschen anders ist, weil wir ziemlich weit auseinanderstehen.“ Aber urplötzlich war Schluss.
Und deshalb wird derzeit improvisiert. Jens Kuhle nutzt Medien wie Youtube und Kommunikationsplattformen wie Whatsapp, um seine Schützlinge fitzuhalten und zu motivieren. „Es ist unglaublich wichtig, die Jugendlichen und Kinder anzusprechen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben“, sagt er.
Auf lockerer Basis
Andreas Waller hofft derweil, dass man im Mai „auf lockerer Basis“ mit dem Trainingsbetrieb beginnen könne. Ebenso wie Kuhle schlägt er vor, die ausgefallene Zeit in den Sommerferien zu kompensieren. „Dann könnten wir das reinholen, was wir zuvor verloren haben“, sagt Andreas Waller. „Das ist schließlich die schönste Zeit des Jahres, und sie wird meistens nicht genutzt.“
Andreas Waller trifft die Coronakrise noch auf einem anderen Feld. Schließlich führt er einen Tennisshop. Dieser Tage werde die Ware geliefert, die er schon vor langer Zeit bestellt habe. „Dafür musste ich in Vorleistung gehen. Jetzt steht man da und kann nicht verkaufen“, sagt er. Aber er bleibe positiv gestimmt. „Es ist zwar ein ungewohntes Gefühl, nichts machen zu können. Aber die Ruhe hat auch etwas Gutes: Ich bin wieder mit dem Laufen angefangen. Morgens ist es besonders schön.“
