NORDHORN/DORTMUND - Finanzielle Kraftakte sind der HSG Nordhorn nicht neu, Jahr für Jahr sieht sich der Handball-Bundesligist aus der Grafschaft Bentheim immer wieder einmal mit Gerüchten und Verdächtigungen konfrontiert. Nun aber wird es ernst: Der in finanziellen Schwierigkeiten steckende EHF-Pokalsieger ist ins Visier der Steuerfahndung geraten.

Am Dienstag gegen 8 Uhr durchsuchten Fahnder der Finanzbehörde Oldenburg die Geschäftsräume des Erstligisten, der ungeachtet dessen an diesem Mittwochabend im Heimspiel gegen GWD Minden in die Saison starten will. „Es besteht der Verdacht, dass bei dem Verein Schwarzgelder an die Spieler gezahlt wurden. Es geht also um den Verdacht der Steuerhinterziehung“, sagte Pressesprecher Alexander Retemeyer von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Osnabrück.

75 Beamte waren im Einsatz und durchsuchten 25 Objekte. Trainer Ola Lindgren, seine Spieler wie auch deren Beratern sowie die Zentrale der Bundesliga (HBL) erhielten unliebsamen Besuch. „Es ist kein großes Geheimnis, dass die wirtschaftliche Lage in Nordhorn etwas schiefhängt“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, der die HSG-Verantwortlichen für Donnerstag zum Gespräch nach Dortmund bestellte.

„Die Beamten standen am Morgen vor meiner Tür. Sie wollten meine Verträge, Kontoauszüge und andere Unterlagen. Ich habe ihnen alles mitgegeben“, erklärte Lindgren. „Sie waren bei allen“, fügte der schwedische Coach hinzu. Auch Nationalspieler Holger Glandorf bestätigte: „Sie haben bei mir Unterlagen mitgenommen.“

Von der Steuerrazzia waren aktuelle und ehemalige Nordhorner Spieler wie der langjährige Kapitän Jan Filip betroffen. „Es geht offenbar um nicht gezahlte Lohnsteuer“, erklärte Glandorf-Berater Jochen Bergener dem ZDF. Zuletzt wurden die Gehälter der HSG-Spieler nur mit Verspätung gezahlt. Deshalb wechselte Filip in diesem Sommer überraschend zu den Rhein-Neckar Löwen.

Bereits 2002 stand die HSG Nordhorn vor dem finanziellen Kollaps, erhielt aber im zweiten Anlauf die Lizenz.