Der Keeper verlässt den Verein. Manager Alexander Woloschin kündigt für die neue Saison erhebliche finanzielle Einschnitte an.
Von Bodo TarowWilhelmshaven/Cloppenburg
Keine Frage, die Umstände des skandalösen Top-Duells zwischen den Oberliga-Fußballern aus Wilhelmshaven und Cloppenburg am Dienstagabend (4:0) hat auch gestern die Emotionen rund um die Friesoyther Straße nicht abkühlen lassen. Unisono fühlten sich Spieler und Anhänger von Referee Malte Dittrich (Bremen) verschaukelt.„Eigentlich kann ich heute gar nicht arbeiten, da ich noch koche“, drohte Cloppenburgs Schlussmann Jan Hüring noch gestern der Puls durchzugehen. „Das hatte mit Sport nichts zu tun. Ein etwas korpulenterer Mensch hat wohl in die Tasche gegriffen. Anders sind die Entscheidungen des Schiris nicht zu erklären“, vermutete Hüring gar eine Beeinflussung von Seiten der Wilhelmshavener.
„Der Schiedsrichter gehört lebenslänglich gesperrt. Wir sind in diesem Endspiel durch seine Entscheidungen brutal ausgebremst worden. Ich lasse mich nicht davon abbringen, dass das Vorsatz war“, schoss der Keeper.
Den Kopf in den Sand stecken will Hüring aber nicht. „Jetzt wollen wir Zweiter werden. Dazu sind wohl vier Siege nötig.“ Im gleichen Atemzug kündigte er, obwohl ein Gespräch mit Manager Alexander Woloschin noch aussteht, seinen Abschied vom BVC zum Saisonende an. „Der Aufwand für mich ist immens. Mir liegen einige Angebote aus dem Osnabrücker Raum, wo ich wohne, und eine andere interessante Offerte vor. Ich werde irgendwo unterklassig weitermachen.“
Unterdessen zog sich neben Spielleiter Dittrich besonders Wilhelmshavens Abwehrmann Dario Fossi – er hatte verletzt auf der Bank gesessen – den Zorn der Cloppenburger zu. Als der BVC-Kameruner Baya Baya ausgewechselt wurde, soll der Italiener ihn mit rassistischen Ausdrücken belegt haben.
Sekunden vor Spielschluss provozierte Fossi, der von der Bank aufsprang und den Platz betrat, auch noch Cloppenburgs Ghanaer Joe Yankson und löste ein Handgemenge aus, bevor er von den eigenen Leuten in die Katakomben geführt wurde.
Derweil zollte Woloschin dem gesamten Team ein dickes Kompliment. „Die Spieler verdienen höchsten Respekt. Sie haben alles versucht.“ Auf der anderen Seite stufte er die Wilhelmshavener trotz der unschönen Begleitumstände beim 0:4 als „würdigen Meister“ ein. „Die haben eine tolle Saison hingelegt.“
Nachdem jetzt „Planungssicherheit“ herrscht, wird Woloschin in Absprache mit Trainer Jörg Goslar umgehend in die Vertragsgespräche für die neue Spielzeit einsteigen. Unproblematisch dürften die Unterredungen nicht verlaufen. „Diese Saison war ein Kraftakt. Nicht zuletzt auch wegen der neuen Tribüne wird es ordentliche Einschnitte im Etat für die erste Mannschaft geben“, sagte Woloschin.
„Dies soll aber nicht heißen, dass wir künftig keine schlagkräftige Mannschaft, die angreifen wird, auf die Beine stellen werden. Und mit Wilhelmshavens Aufstieg dürfte sich auch das Gehaltsgefüge in der Liga wieder normalisieren.“
