OBERSTDORF - Zu viele Fehler, zu wenig Emotionen – die Olympia-Kür der Eiskunstlauf-Welt- und Europameister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy ist knapp fünf Monate vor den Winterspielen von Vancouver noch eine Baustelle. Mit einem traumhaften Kurzprogramm aber einer wackligen Kür haben die Doppelweltmeister dennoch am Sonnabend die Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf gewonnen.
Die nun anstehenden Reparaturarbeiten sind für Trainer Ingo Steuer fester Bestandteil der „Operation Gold“ seiner Schützlinge: „Ich kann weiterhin ruhig schlafen. Es hätte mich verwirrt, wenn Aljona und Robin schon eine Top-Kür gelaufen wären.“ Als zweites Gespann werden vermutlich Maylin Hausch und Daniel Wende ein Olympia-Ticket lösen, die die Olympia-Norm das erste von zwei geforderten Malen knackten.
Die Weltpremiere des Programms von Savchenko und Szolkowy zur von Andre Rieu interpretierten Fußballhymne „You'll never walk alone“ war alles andere als flüssig. Wie der Coach setzt auch Szolkowy auf den Faktor Zeit. „Dieser Wettkampf war ganz klar als Test angesetzt, den wir zu gewinnen hatten. Wir wissen jetzt genau, woran wir arbeiten müssen und werden das auch tun“, kündigte der 30-Jährige an. Grundsätzliche Zweifel an der Favoritenrolle bei Olympia ließ Steuer gar nicht erst zu: „Wenn wir in Kanada alles machen wie geplant, ist es Gold. Punkt!“
Ein solcher Satz aus dem Mund von Stefan Lindemann wäre fernab der Realität, doch mit einem Start in Vancouver darf der Routinier aus Erfurt liebäugeln. Nach mehr als zweijähriger Verletzungspause erlief der frühere deutsche Meister einen olympischen Startplatz für die Deutsche Eislauf-Union (DEU), überbot die interne Olympia-Norm von 173 Punkten und verließ das Allgäu mit einem guten Gefühl. „Das wird eine ganz spannende Entscheidung“, sagte Trainerin Viola Striegler zur Situation der deutschen Eiskunstläufer.
Wie Lindemann gelang auch der Mannheimerin Sarah Hecken bei ihrem Saisoneinstand ein Punktergebnis jenseits der Norm (128) – an der Bande kritisch beäugt von ihrer Rivalin Annette Dytrt, die wegen Meniskusbeschwerden verspätet in den olympischen Winter starten wird.
