Newport - Die vierte Etappe des Ocean Race geht in den Endspurt – allerdings nur für drei der fünf Imoca-Rennyachten. Während sich Boris Herrmann über das gute Rennen seines Teams Malizia freut, das mit Skipper Will Harris auf Rang zwei und nicht weit hinter dem führenden US-Team 11th hour racing liegt, musste am Dienstag schon die zweite Crew die Etappe beenden. Der Guyot environnement - Team Europe mit dem Berliner Co-Skipper Robert Stanjek brach in einem heftigen Unwetter in der Nacht der Mast. Die Crew blieb aber unverletzt.
Als „etwas beängstigend“ beschrieb Amory Moss von 11th hour racing die stürmischen Winde jenseits der 30 Knoten: „Es ist verrückt hier draußen. Es steht außer Frage, dass es Bedingungen sind, die Boote kaputt machen können.“ Nach dem Mastbruch beim in der Gesamtwertung führenden Schweizer Team Holcim-PRB am 27. April nicht weit vom Startort Itajai in Brasilien ist es schon der zweite Riggverlust auf diesem 5500 Seemeilen (ca. 10 000 Kilometer) langen Teilabschnitt.
Das Team Europe versucht nun mittels Motor, die noch 600 Seemeilen (ca. 1100 Kilometer) entfernte Küste zu erreichen und zur fünften Etappe, die am 21. Mai in Newport startet, wieder dabei zu sein.
Das Team Malizia aber kämpft indes weiter um den zweiten Etappensieg bei der prestigeträchtigen Weltumsegelung. „Ich bin enorm stolz auf das Team“, sagte der aus Oldenburg stammende Herrmann am Dienstag in einer Videokonferenz des Ocean Race, zu dem auch der Berliner Stanjek sowie Skipper Benjamin Dutreux vom Team Europe zugeschaltet waren. Herrmann sendete direkt „viel Kraft und eine große Umarmung“ und bot auch die Hilfe seines Teams an. „Dass die beiden Teams solche Probleme haben, macht mich traurig. Das ist nicht die Art, wie wir Rennen fahren wollen, wenn andere Boote so aus dem Rennen fallen“, sagte er.
Seiner eigenen Crew machte er ein großes Kompliment: „Sie inspizieren das Boot regelmäßig, alles ist sicher. Ich bin ganz gelassen hier zu Hause und kann gut schlafen.“ Der 41-jährige setzt schon zum zweiten Mal aus und verfolgt das Rennen seiner Crew um seinen Vertreter Harris aus der Ferne. „Ich schaue natürlich täglich auf den Tracker, ich verfolge aber auch unseren Teamchat. Da sprechen wir natürlich nicht über das Rennen und die Strategie, das dürfen wir nicht. Aber wir tauschen persönliche Dinge aus.“ Zum Beispiel habe die Crew den Kollegen an Land mitgeteilt, als sie den schlimmen Sturm der Nacht hinter sich hatten und dass es allen gut gehe.
Mit der ersten Ankunft eines Bootes im Zielhafen in Newport wird am frühen Mittwochabend gerechnet. Am Mittwoch stehen die Teams noch vor der Herausforderung, eine Passage mit sehr leichten Winden durchqueren zu müssen. Die fünfte Etappe führt die Flotte ab dem 21. Mai ins dänische Aarhus. Die finale siebte Etappe führt Mitte Juni von Den Haag (Niederlande) ins italienische Genua.
