OFENERDIEK - Am Dach der Garage hängt kein Basketballkorb, an der Wand des Hauses am Ostring auch nicht. Jason Gardner räumt auf mit einem Vorurteil, das Deutsche über amerikanische Familien haben. Und dabei ist der 28 Jahre alte Mann Basketballprofi, er geht seit knapp zwei Jahren auf Punktejagd für die EWE Baskets.

In Oldenburg hat er sich nach mehreren kurzen Stationen bei europäischen Teams häuslich niedergelassen und vor eineinhalb Jahren mit Ehefrau Jacqueline Gardner (28) und Tochter Jasper (6) die Doppelhaushälfte am Ostring bezogen. Vor drei Monaten kam Jason Gardner jr. zur Welt – ein gebürtiger Oldenburger. Es ist recht ungewöhnlich, dass Basketball-Profis mit ihren Familien in den Städten wohnen, in denen sie spielen. Zu oft wechseln die Sportler ihre Teams, Wurzeln schlagen sie selten. Außerdem sind die Männer meist noch sehr jung und oftmals Junggesellen, wenn sie nach Deutschland kommen.

Schnell Freunde gefunden

Im Gegensatz zur Familie Gardner: „Wir haben schnell Freunde hier gefunden, treffen uns regelmäßig mit den Nachbarn und sind insgesamt super aufgenommen worden“, schwärmt Jacqueline Gardner. Besonders die Restaurants in der Stadt haben es den Eheleuten angetan, auch wenn der enge Spielplan und die weiten Reisen zu den Auswärtsspielen nur relativ selten gemeinsame Unternehmungen zulassen.

Tochter Jasper besucht einen deutschen Kindergarten, macht bei den Cheerleadern der Baskets mit, turnt beim OTB und soll voraussichtlich ab Sommer eine internationale Schule in Bremen besuchen. Jason Gardner lobt die gute Kameradschaft in seinem Team und hat einen sehr guten Kontakt zu seinem Trainer Mike Koch.

Als Kinder getroffen

Aufgewachsen sind Jacqueline und Jason Gardner in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana. Zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind sie sich als Kinder, als Jason im zarten Alter von elf Jahren zur Geburtstagsfeier eines Freundes eingeladen war, auf der er Jacqueline traf. Im Lauf der Jahre haben sie sich nie aus den Augen verloren.

Basketball spielt Gardner, seitdem er sechs Jahre alt ist. Vorbild war sein drei Jahre älterer Bruder James, den er bewunderte und dem er nacheifert. Anstatt sich für Jason um einen Babysitter zu kümmern, schickten die Eltern ihren jüngsten Sohn einfach in die Basketball-Liga des Bruders. „Alles was James machte, wollte ich noch besser machen“, blickt er zurück.

Jason Gardner lernte, sich gegen die älteren Gegenspieler durchzusetzen und spielte als umjubelter Leistungsträger in Highschool- und Collegeteams. Ein Pfund mit dem er heute wuchern kann. Mit 1,78 Meter Körpergröße ist der Wirbelwind auf der Aufbauposition kleinster Spieler der Basketball-Bundesliga, treibt mit seiner überragenden Spielübersicht als Passgeber und seiner Treffsicherheit die EWE Baskets von Erfolg zu Erfolg, auch wenn es in Göttingen am Donnerstagabend mal nicht so gut lief.

Auf dem Feld strahlt der 28-Jährige eine Ruhe aus, die auch in der Familie spürbar ist. Gardners sind freundliche Menschen, die ihrem Besuch offen gegenüber treten. Den Kontakt zur Heimat halten sie übers Telefon, per Internet und über das Satellitenfernsehen, in dem sich der 28-Jährige am liebsten Spielfilme anschaut. Auf den langen Fahrten im Bus zu Auswärtsspielen aber auch zu Hause löst er gern Sudoku-Rätsel.

Wunschtraum NBA

Bei aller Liebe zur Stadt und den Baskets, für die er bis 2010 unter Vertrag steht, einen Herzenswunsch hegt Jason Gardner: „Ich will in der amerikanischen Profiliga NBA spielen. Am liebsten für die Indiana Pacers.“

Und sollte dieser Herzenswunsch doch nicht in Erfüllung gehen, wird wohl ein Basketballkorb die Garage am Ostring schmücken – für Jason Gardner Junior.