OHMSTEDE - Lebendige Geschichte: Wenn sich 120 Verwandte zu einem Familientag treffen, dreht sich alles um vergangene Zeiten. Die gemeinsame Herkunft bringt sie zusammen, neue Kontakte bilden ein familiäres Bündnis. Obwohl sich nicht einmal jeder kennt. Wie auch, wenn die Familie Diers mit allen bekannten Verwandten über 400 Köpfe zählt?

Da gilt es, den Überblick zu behalten. Und den hat Manfred Diers: „Ahnenforschung ist mein Hobby“, erzählt er. Beim großen Familientag am Wochenende in der Gaststätte Martens in Bokel erklärte er seiner Verwandtschaft den Stammbaum, der auf dem Papier aneinandergereiht 15 bis 20 Meter lang wäre.

Alle fünf Jahre trifft sich die Familie, deren Ursprung in der Gemeinde Wiefelstede liegt und, von der ein Teil heute in Ohmstede lebt. Und in diesem Jahr hatte Manfred Diers Neuigkeiten im Gepäck: Anhand einer Grundstückstauschurkunde war er auf Ebecke Recker und dessen Frau Heylecke aus dem 15. Jahrhundert gestoßen, die von nun an den Stammbaum der Familie anführen. „Um so etwas herauszufinden, muss man in Archiven stöbern, alte Schriften und Urkunden studieren, da hilft das Internet nicht weiter“, verrät Diers.

Nach dieser theoretischen Arbeit sei so ein Familientreffen etwas Besonderes. Zusammensitzen, klönen, gemeinsam essen und die Neuigkeiten der vergangenen fünf Jahre austauschen, sich über Geburten freuen und der Toten gedenken. Eine weite Anreise nimmt man da gern in Kauf: Süddeutschland, Schweiz, nur aus den USA gab es diesmal lediglich Grüße per Post.

„Man braucht jemanden, der die Arbeit und das Interesse vorantreibt, sonst schläft so ein Treffen mit der Zeit ein“, meint Dirk Rode, Mitorganisator des Familientages. Und einfach sei das auch nicht immer, schließlich gebe es hier und da auch Streitigkeiten: „Manchmal sind Geschichten dabei, die an Romeo und Julia erinnern“, erzählt Rode, „zerstrittene Familien, deren Kinder sich dann aber eigentlich wieder gut verstehen.“ Das sei eben auch Familie.