Oldenburg - Seit Jahrzehnten zählen das Landesturnier und die Pferdetage zu den absoluten Höhepunkten der Oldenburger Reitsportszene. Nachdem die Traditionsveranstaltung im Rasteder Schlosspark Corona-bedingt Anfang Juli erstmals nach 71 Jahren abgesagt werden musste, fragen sich die Pferdefreunde, Reiter und Züchter: Wird der Agravis-Cup 2020 stattfinden? Und wenn ja, in welcher Form?
Dr. Kaspar Funke, der mit seiner Agentur Escon Marketing Jahr für Jahr Großveranstaltungen organisiert, weiß um die besondere Herausforderung, die ein Hallenturnier in Zeiten der Covid-19-Pandemie an sein Team stellt: „Keiner weiß, was die nächsten Wochen bringen. Deswegen ist noch vieles in der Schwebe, aber wir versuchen alles, das Turnier stattfinden zu lassen“, betont Funke, in dessen Agentur noch immer Kurzarbeit angesagt ist. Er sei in guten Gesprächen mit der Stadt Oldenburg und der Weser-Ems-Halle. „Doch so viel ist heute schon klar“, sagt der Turnierchef, „wenn es klappt, wird es eine Veranstaltung sein, nüchtern und in einer Form, die wir so nicht gewohnt waren.“
Warum schaut der Turnierchef zum Basketball?
Auf der Homepage seiner Agentur wird der Agravis-Cup nach wie vor für den 29. Oktober bis 1. November angekündigt. Der Ticket-Button ist aktiviert, mehr aber auch nicht. Das Problem: Bis zum 31. Oktober sind Großveranstaltungen in Niedersachsen generell nicht erlaubt. Und ob Anfang November ein internationales Hallenturnier überhaupt mit Zuschauern durchgeführt werden kann, darf aus heutiger Sicht zumindest bezweifelt werden. Funke verweist dabei gern auf den gerade erst gescheiterten Versuch der Fußball-Bundesliga, den Spielbetrieb im September mit tausenden von Zuschauern wieder aufnehmen zu wollen. Für den Agravis-Cup heißt das für den umtriebigen Turnierchef: „Wenn Ende Oktober/Anfang November alle, also die Hallensportarten wie etwa Handball oder Basketball vor leeren Rängen spielen müssen, kann ich in Oldenburg die Arena nicht vollmachen.“
Wie ist die aktuelle Situation im Reitsport?
Funke hat zuletzt in Essen-Herbergen im Kreis Cloppenburg jeweils ein Spring- und ein Dressurturnier organisiert – im Juni noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Vom 28. bis 30. August veranstaltet er nun in Donaueschingen das traditionelle Fürstenberg-Gedächtnisturnier. Das Land Baden-Württemberg lässt derzeit 500 Personen bei Freiluftveranstaltungen zu. „In der riesigen Parkanlage gehen wir auf Nummer sicher und planen das Turnier nur mit 300 bis 350 Personen“, sagt Funke. Donaueschingen ist sonst für seine Besuchermassen bekannt. In diesem Jahr ist die Großveranstaltung zu einem kleinen, aber feinen Dressur-Turnier zusammengeschmolzen.
Welche Prüfungen würden in Oldenburg wegfallen?
In der Halle sind die Hygienevorgaben und Rahmenbedingen noch einmal etwas verschärfter, so dass der Agravis-Cup in Oldenburg, der im Vorjahr noch 31 Prüfungen zählte, diesmal ganz offensichtlich nur in abgespeckter Form durchführbar ist. „Wir dürfen nicht nur auf den Rängen, sondern auch auf dem Abreiteplatz oder in der Bahn nicht so viele Menschen haben“, weiß Funke, der deswegen darüber nachdenkt, sämtliche Mannschafts- und Showwettbewerbe für den 29. Oktober bis 1. November aus dem Programm zu nehmen.
Könnte das Turnier in anderer Form stattfinden?
Alternativ wäre auch ein Turnier über fünf statt bislang vier Tage denkbar. „Das wäre dann eine entspanntere Form. So wären auch längere Pausen zwischen den einzelnen Prüfungen möglich. Aber wie gesagt, ich bin nur Mitläufer und muss abwarten, wie sich die Pandemie in den nächsten Wochen entwickelt und welche Vorgaben die Politik dann macht. Alles andere ist derzeit Spekulation“, betont Funke.
