Oldenburg - Die Dressur-Olympiasiegerin hat abgesagt, dafür der Spring-Europameister und andere große Namen des Reitsports zugesagt: Wenn von diesem Donnerstag an bis Sonntag der Agravis-Cup (früher Internationale Pferdetage) in Oldenburg stattfindet, fehlt entgegen der ersten Planungen Tokio-Triumphatorin Jessica von Bredow-Werndl. Dabei ist aber André Thieme, der sich vor rund sechs Wochen den EM-Titel gesichert hatte.
Wie sehen die Rahmenbedingungen aus?
Viel wichtiger ist den Machern um Turnierchef Dr. Kaspar Funke und Veranstalter Escon-Marketing aber, dass erstmals seit Beginn der Pandemie wieder bis zu 3000 Zuschauer pro Tag in die große EWE-Arena dürfen (es gilt die 2G-Regel), dass der Gala-Abend zurück und wieder vieles beim Altbewährten ist. „Nach einer Form der Ernüchterung bin ich optimistisch und spreche von einer Rückkehr in die Normalität“, sagte Funke am Dienstag. Der Kartenzuspruch im Vorverkauf sei „ein guter“, da „können wir uns absolut glücklich schätzen.“ Letztes Jahr habe man „nackten Sport“ geboten, „sonst nichts“. Nun seien alte Strukturen zurück: „Der Gala-Abend etwa am Samstag ist eines unserer Markenzeichen.“
Was lockt welche Springreiter an?
Die Klassiker des internationalen Reitturniers sind der Große Preis von Oldenburg am Sonntag, das Championat am Samstag und der Preis der Oldenburger Wirtschaft am Freitag – zusammen bilden sie die große Tour, auf der es etliche Weltranglistenpunkte für die Teilnehmer zu holen gibt. „Viele gute und schnelle Reiter sind am Start, die ein rasantes Stechen garantieren“, freut sich Turnierleiter Oliver Schulze-Brüning. Mehrfach-Champion Mario Stevens (Molbergen) misst sich mit den flinken Felix Haßmann (Lienen), Jan Wernke (Holdorf), Jur Vrieling (Niederlande), Alexa Stais (Südafrika), Kaya Lüthi (Schweiz) und eben André Thieme. Der 46-Jährige sprang Anfang September in Riesenbeck auf Chakaria zum Titel, in Oldenburg hat er seine Stute Crazy Girl dabei. „Die anderen haben ihre verdiente Pause“, sagt Thieme, will aber dennoch ein Wörtchen um den Sieg mitreden.
Wie gut ist die Dressur nach der Absage von Bredow-Werndl?
Trotz der Absage von Tokio- Olympiasiegerin Bredow-Werndl spricht Jonny Hilberath von einem „klasse Feld mit etlichen Championatsreitern“. Der Disziplintrainer Dressur, der zum Stab von Bundestrainerin Monica Theodorescu zählt, war am Dienstag extra nach Oldenburg gereist, um die Werbetrommel zu rühren. In der Szene selbst hat er in der Corona-Zeit eine positive Entwicklung wahrgenommen. „Die ungewohnte Zwangspause durch die Pandemie hat der Qualität des Sports nicht schlecht getan. Die Leute haben viel trainiert, die Sportler sind extrem motiviert und der Zulauf ist für mich aktuell kaum zu bewältigen“, sagt der 66-Jährige. Im Oldenburger Viereck satteln unter anderen die Mannschafts-Olympiasiegerin und -Europameisterin Dorothee Schneider, Hubertus Schmidt, Matthias Alexander Rath und die einstige Team-Olympiasiegerin Fabienne Müller-Lütkemeier. Zudem steigt in der großen Arena erneut die letzte Qualifikation für das Finale des Louisdor-Preises in Frankfurt, einer internationalen Konkurrenz für Nachwuchspferde. „Das wird ein spannendes Feld, in dem wahrscheinlich künftige Olympia-Pferde zu sehen sind“, sagt Hilberath.
Was ist sonst noch wichtig?
Bereits an diesem Donnerstagabend (20.15 Uhr) betreten die ländlichen Reiterinnen und Reiter bei der Kür der Vereinsmannschaften ihre große Bühne. Zwölf Teams haben laut Turnierchef Funke gemeldet – sie werden dank ihrer zahlreichen Fans und anfeuernder Vereinsmitglieder für einen stimmungsvollen Auftakt des viertägigen Traditionsturniers sorgen.
