OLDENBURG - OLDENBURG - Da stöhnt der Fotograf: „Geht es nicht noch ein wenig langsamer? Ich komme nicht mit.“ Die Schwestern Claudia (15 Jahre) und Marisol Zornoza (16) geben sich in der Halle am Flötenteich alle Mühe, die schnellste Ballsportart der Welt, Badminton, im Zeitlupentempo darzustellen. Doch das ist gar nicht so einfach. Schnell eilt Thomas Hustert, Trainer der Badminton-Abteilung der SG Eintracht Oldenburg, zur Hilfe, einen Stapel Federbälle in der Hand: „So, jetzt habt ihr es einfacher und braucht euch bei den vielen Wiederholungen nicht immer zu bücken.“

Bei der SG Eintracht haben Claudia und Marisol für die Zeit ihres Deutschlandaufenthalts eine sportliche Heimat gefunden, um im Training zu bleiben. Die beiden peruanischen Junioren-Nationalspielerinnen sind seit Januar im Rahmen eines Schüleraustauschprogramms der deutsch-peruanischen Capa-Organisation in Deutschland zu Gast. Claudia in Oldenburg, Marisols Gastfamilie ist in Schortens beheimatet.

„Zu Hause in Lima trainieren wir zwei bis drei Stunden am Tag“, erläutert Claudia. Hier sei sie froh, zweimal in der Woche bei der SG Eintracht mittrainieren zu können. „Die Eintracht-Spieler und vor allem Thomas Hustert verdienen ein Riesen-Lob dafür, wie sie sich um uns kümmern“, fügt Schwester Marisol hinzu.

Und gerade Hustert aber auch Eintrachts Nummer Eins, Rasmus Kossel, kümmern sich ausgiebig um das Schwestern-Paar. Schließlich stehen für Claudia und Marisol zwei bedeutende Turnier-Teilnahmen während ihres Deutschland-Aufenthalts auf dem Plan: die gerade laufenden „U19-Juniors-Dutch-Open“ (bis 20. Februar in Haarlem/Niederlande) und die eine Woche später in Bottrop stattfindenden „U19-Juniors-German-Open“. Allein in Bottrop werden Teilnehmer aus 24 Nationen erwartet. „Dort für unser Land dabei zu sein, ist natürlich eine große Ehre“, betont Claudia. In Peru konnte sie die nationalen Meisterschaften im Doppel im vergangenen Jahr in ihrer Altersklasse für sich entscheiden, zudem gewann sie im selben Jahr die Panamericana-Meisterschaften.

Ob sie bei den europäischen Turnieren eine Chance haben? „Die Asiatinnen sind wohl zu stark, aber mal sehen wie weit wir kommen“, blickt Claudia hoffnungsvoll in die Zukunft, ungeduldig den Schläger in der Hand schwingend: Hustert und Kossel bitten zur nächsten Trainingseinheit. Da will sie schnell wieder hin. „Schade, die beiden sind nur noch bis März hier. Aus ihnen könnte was werden.“ Da spricht der Trainer aus Hustert, der bedauert, zwei Rohdiamanten nur kurz in Oldenburg zu haben.