OLDENBURG - Bis zur Schlussminute führten die EWE Baskets komfortabel. Grobe Fehler verdeckten die gute Gesamtleistung.

Von Oliver Schulz

OLDENBURG - Kann man diesem Mann böse sein? Nach sechs Jahren im Trikot der Oldenburger Bundesliga-Basketballer mit überragenden Spielen für die EWE Baskets und unerreichten 42 Punkten durfte sich Tyron McCoy auch mal einen kapitalen Bock leisten. Allerdings hätte es nicht gerade gestern Abend in der umkämpften Schlussphase der Bundesliga-Begegnung gegen die Telekom Baskets Bonn sein müssen, weil dieser letztlich mit zur 78:80-Niederlage nach Verlängerung führte.

Noch 30 Sekunden vor Spielende applaudierten die Oldenburger Fans unter den 3148 Zuschauern in der ausverkauften Arena fröhlich dem vermeintlichen Heimsieg entgegen. Der eigene Ballbesitz beim Spielstand von 71:68 für die Gastgeber gab Anlass zur Zuversicht, als der Ball zum Spielführer gepasst wurde. Das Allerletzte, was die Experten in diesem Moment von McCoy erwarteten, war dieser unglaubliche Pass in die Hände des Gegners. Zu allem Übel brachte der Bonner Jeff Schiffner seinen Drei-Punkte-Wurf im Korb der EWE Baskets zum Gleichstand von 71:71 unter.

Die Enttäuschung über den Fauxpas des Routiniers setzte sich in der Verlängerung in den Köpfen und Armen seiner Mitspieler fest. In den ersten vier der fünf minütigen Zugabe gelang den Oldenburgern kein Korberfolg mehr. Die Gäste dagegen sicherten Sieg und Punkte.

Don Beck war fassungslos: „Die Niederlage war sehr unglücklich. Wir hatten es selber in der Hand, die Partie zu gewinnen“, sagte der Coach der EWE Baskets enttäuscht. „Die Niederlage ist schwer wegzustecken, aber wir müssen das Positive sehen. Dazu gehören die guten Würfe, die wir uns erarbeitet haben, und die erneut starke Verteidigung.“

Sein Bonner Trainerkollege Mike Koch dagegen konnte sein Glück kaum fassen: „Ich bin froh, das Spiel gewonnen zu haben. Wir sind fast das gesamte Spiel über hinter den Oldenburgern her gelaufen“, meinte der ehemalige Nationalspieler und Europameister von 1993.

Vorzuwerfen ist den Gastgebern der Leichtsinn, mit dem der Sieg den Bonnern in die Hände gespielt wurde. Die gute Gesamtleistung sowie die starke Spielphase zwischen der 12. und 38. Minute und ein dauerhafter Vorsprung mit bis zu zwölf Punkten (34:22/19.) genügten gegen einen nimmermüden Kontrahenten nicht.

Die Summe der persönlichen Fehler war es, die die Anhänger letztlich so verblüffte. Fünf Ballverluste von Desmond Penigar und derer drei bei Tyron McCoy und Carl Krauser hinterließen eine negative Erinnerung an das Heimspiel. Wenn die Oldenburger noch lernen, einen Vorsprung zu verwalten, taugt die Niederlage zumindest als Lehrstück.