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NWZonline.de Sport

Belastung In Basketball, Handball Und Co.: „Teufelsspirale“ führt zu immer mehr Spielen

20.02.2020

Oldenburg 37 Spiele sind geschafft, mindestens 15 kommen noch – wahrscheinlich aber noch einige mehr. Die EWE Baskets Oldenburg tanzen in diesem Jahr auf drei Hochzeiten, und das in mehreren Ländern. Der Pokalwettbewerb mit vier Spielen ist seit der Niederlage bei Alba Berlin am Sonntag zwar abgeschlossen, in der Bundesliga (BBL) geht es nach den 32 Hauptrundenspielen aber so gut wie sicher in die Playoffs, und auch im Eurocup haben die Oldenburger gute Chancen, im 16. Gruppenspiel am 3. März gegen Promitheas Patras (20 Uhr, große Arena) noch das Viertelfinale zu erreichen, das im Modus „Best of three“ ausgespielt wird. Gut möglich also, dass die Baskets noch eine Weile lang fast jede Woche zwei Spiele bestreiten – wie schon seit Ende September.

Prof. Dirk Büsch

Sind das zu viele Spiele? Professor Dirk Büsch vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Oldenburg hat da eine eindeutige Antwort: Weniger Spiele wären besser.

Wie viele Spiele haben die Baskets und Co. denn?

Kämen die Baskets in Bundesliga und Eurocup ins Halbfinale, hätten Kapitän Rickey Paulding und Co. am Ende der Saison zwischen 62 und 68 Spielen absolviert. Pokalfinal-Gegner Alba kommt als Teilnehmer der 18 Teams zählenden Euroleague, die im gleichen Modus wie die Bundesliga ausgetragen wird, schon vor den Playoffs auf 70 Spiele (32 in der Bundesliga-Hauptrunde, 34 in der Euroleague-Hauptrunde, vier im Pokal).

Die Fußballer von Bayern München und die Handballer vom THW Kiel kommen auf etwa 60 Saisonspiele – und gerade in diesen in Deutschland populärsten Spielsportarten wird immer mal wieder moniert, dass die Belastung für die Spieler sehr hoch – oder zu hoch – sei. Das gilt vor allem für Nationalspieler, die durch Auswahleinsätze noch deutlich mehr Spiele im Kalender haben. „Wir haben in allen Sportarten eine deutliche Zunahme an Wettkämpfen, auch in Zweikampfsportarten zum Beispiel, mit weniger Erholungszeit“, stellt Sportwissenschaftler Büsch fest.

Sind das zu viele Spiele?

„Von der Logik her sind es zu viele Spiele, wenn man dazwischen sinnvoll trainieren will“, erklärt Büsch. Dafür fehlt dann einfach die Zeit. Zudem werde das Verletzungsrisiko bei der Vielzahl an Spielen eher größer als geringer. „Das muss es ja, weil ich entweder zu wenig Regenerationszeit habe, oder zu wenig Zeit, um wieder etwas aufzubauen, das den Körper für die harten Anforderungen im Spiel schützt.“ Man sei inzwischen schon sehr am Rand von dem, was möglich ist. „Aus trainingswissenschaftlicher Sicht muss man sagen: Weniger Wettkämpfe, dafür mehr Zeit, sich vorzubereiten – Grundlagen zu schaffen, Präventivtraining zu betreiben, für Kräftigung und Ausdauer – und das Leistungsniveau hochzuhalten, wäre mit Sicherheit attraktiver und letztendlich gesünder“, sagt Büsch. Mittlerweile seien die Spiele selbst die Trainingseinheiten – diese seien jedoch sehr einseitig. „Das müsste man kompensieren – schafft man aber nicht“, sagt Büsch.

Warum tragen die Teams dann so viele Spiele aus?

„Die Anzahl der Spiele ergibt sich aus den Wettkampfformen sowie den finanziellen Interessen der Verbände, möglichst viel von dem Geldkuchen abzubekommen“, bringt es Büsch auf den Punkt – und geht noch weiter: „ Da ist eine Teufelsspirale in Gang gesetzt, die zwischen finanziellen Möglichkeiten und Belastbarkeit an vielen Stellen von Spielern völlig zu Recht moniert wird, denn das ist schon grenzwertig und lässt das Verletzungsrisiko eher steigen.“ Außerdem sollen die Profis inzwischen auch länger aktiv sein als früher – und wollen das aber auch, um mehr Geld zu verdienen.

Unternehmen die Clubs und Verbände etwas?

Aus Sicht der Clubs und Verbände ist da keine Lockerung zu erwarten. Die Bundesligen bestehen darauf, die relativ hohe Anzahl an Teams aufrecht zu erhalten, denn bei 18 Teams in den Bundesligen (in der BBL sind es derzeit ausnahmsweise nur 17) bedeutet das 34 Spiele, davon 17 Heimspiele: „Das bringt erstmal Geld“, stellt Büsch klar. Das gelte auch für das Playoff-Modell, das die Anzahl der Spiele in der BBL wie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) noch erhöht. „ Das machen sie zwar einerseits aus sportlichen Gründen – nach dem Motto: nur ein oder zwei Spiele können nicht darüber entscheiden, wer besser ist –, aber maßgeblich ist auch da eher der finanzielle Mehrwert“, sagt Büsch. Wenn die Clubs dann auch noch in europäischen Wettbewerben spielen wollen, sei ja rein rechnerisch klar, dass das für bestimmte Spieler mehr Einsätze bedeutet.

Können die Spieler etwas dagegen tun?

Nein, denn sie sind genaugenommen Angestellte der Clubs. „Und wenn der Verein dann sagt, wir machen das, dann sind sie als Angestellte verpflichtet, ihrer Arbeit nachzukommen“, erläutert Büsch. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass die Profis ihren Sport nicht nur betreiben, um ihr Geld zu verdienen, sondern weil sie Spaß daran haben. „Sie spielen ja auch gerne, und sie werden auch unruhig, wenn sie in der Sommerpause nicht spielen können. Die jüngeren zumindest“, sagt Büsch schmunzelnd. Der Sportwissenschaftler, der selber mal Co-Trainer beim Handball-Bundesligisten THW Kiel und damit nah an den Spielern dran war, sieht im Profisport eine „hohe Ambivalenz zwischen Vernunft und Notwendigkeit, die man so leicht nicht auflösen wird“.

Gibt es Maßnahmen, das Risiko zu mindern?

Einen möglichen Weg zeigt die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA – allerdings auch wohl nur, weil dort die Saison noch extremer ist als in der BBL. Die NBA-Teams spielen alle zwei bis drei Tage. Dafür haben sie vor Saisonbeginn eine sehr lange Vorbereitung – „um danach fast nur noch im Flieger zu sitzen und von Spiel zu Spiel zu reisen“, sagt Büsch. Teilweise spielen die gleichen Teams in 48 Stunden zweimal gegeneinander, fliegen aber dazwischen weite Strecken in die Stadt der jeweils anderen Mannschaft. „Das ist schon brutal“, meint Büsch. In Deutschland haben die Teams nach der Sommerpause aber meist nur etwa sechs Wochen Vorbereitungszeit. Eine weitere Möglichkeit ist, sich einen auch in der Tiefe hochkarätigen Kader zu leisten, mit dem man rotieren kann. „Die Rotation im Fußball basiert ja darauf, dass man die Spieler nicht alle drei Tage voll gehen lassen kann, ohne damit zu rechnen, dass sie irgendwann nicht mehr können“, erklärt Büsch. Zu guter Letzt könne man noch über verbesserte Regenerationstechniken nachdenken – denn der Sportwissenschaftler stellt auch klar: Reisezeit ist keine Erholungszeit. Aber da seien die Möglichkeiten über Eisbäder und Massagen hinaus auch begrenzt.

Wie sieht das Fazit aus?

Die Systeme sind einfach inkommensurabel, sagt der Sportwissenschaftler: nicht miteinander vereinbar. „Weil jede Partei ein anderes Ziel verfolgt. Das ist ein Dilemma“, stellt Büsch klar. Aus der Sicht des Trainingswissenschaftlers ist die Antwort auf die Frage nach der Anzahl der Saisonspiele klar: „Weniger ist mehr.“

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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