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NWZonline.de Sport

Der Boxer, der nicht antworten wollte

13.08.2019

Oldenburg /Berlin Die Geschichte hatte alles, was einen Skandal ausmacht: Ein Sportler mit schillernder Vita und bizarren Verhaltensweisen, dazu eine Provokation – auch noch zur besten Sendezeit im Fernsehen ausgestrahlt: Alle hatten es mitbekommen, als der ZDF-Journalist Rainer Günzler am 21. Juni 1969 den Boxer Norbert Grupe im „Aktuellen Sportstudio“ nach seiner Niederlage gegen den Argentinier Oscar Bonavena befragte. Künzler stellte seine Fragen, Grupe schwieg, leckte sich die Lippen, schwieg weiter. Nach zwei Minuten war das „Interview“ vorbei. Günzler hatte seine Fragen gestellt, Grupe konsequent geschwiegen. Ein Skandal im – damals nur öffentlich-rechtlichen – Fernsehen. Künzler bedankte sich: „Das war reizend.“ Grupe konterte und sagte im Rausgehen: „Ich bedanke mich auch. Es war sehr aufschlussreich und man sieht, dass Sie nach wie vor dem Boxsport mit freundlichen Augen und Worten gegenüberstehen.“

Grupes Reaktion war eine Retourkutsche für ein vorausgegangenes Interview, in dem Günzler Grupe kritische Fragen gestellt hatte. „Das kriegt der wieder“, soll Grupe Freunden gesagt haben. Vor genau 50 Jahren, am 13. August 1969, berichtete die NWZ, dass Grupe aus dem Bund Deutscher Berufsboxer auf Lebenszeit ausgeschlossen wurde. „Mit entscheidend für die Maßnahme war das Verhalten Grupes im Aktuellen Sportstudio des Zweiten Deutschen Fernsehens vom 21. Juni“, schrieb die NWZ. Grupe gelang es, die Sperre wieder aufzuheben.

Der 1940 geborene Grupe war Sohn eines Boxers, Richard Grupe. Ende der 50er Jahre traten beide in Wrestlingshows auf. Er legte sich den Namen Prinz von Homburg zu, 1962 wurde er Profiboxer. Er gewann 29 von 46 Kämpfen, einen Titel holte er nie. Der deutsche Schwergewichtler Jürgen Blin, später bekannt geworden durch einen Kampf gegen Muhammad Ali (1971, k.o. in der siebten Runde) gewann 1969 gegen Grupe. Es war der vorletzte Profikampf Grupes.

Dafür versuchte sich Grupe als Filmschauspieler. Er spielte in „Morituri“ (1964) von Bernhard Wicki an der Seite von Marlon Brando und Yul Brunner. Grupes Filmografie hat aber noch eine Reihe interessanter Einträge. Als Statist spielte er in Alfred Hitchcocks „Torn Curtain“ (Der zerrissene Vorhang), in Werner Herzogs „Stroszek“ und im Kriegsfilm „Die Teufelsbrigade“. Er spielte auch in „Ghostbusters II“ (den Karpatenfürst Vigo) und in „Stirb langsam“ (einen der Gangster).

Mehrfach kam Grupe mit dem Gesetz in Konflikt. 1985 wurde er vom Landgericht Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen Körperverletzung und Beihilfe zur Förderung der Prostitution verurteilt. Insgesamt verbrachte er fünf Jahre in Haft. Grupe lebte zuletzt in Los Angeles. Er starb 2004 an Lungenkrebs.

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Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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